Die ambitionierte Kampagne "Ludwigsburg elektrisiert" wird vorerst nicht aktiv vorangetrieben. Auch geplante Verleihstationen für das sogenannte "Ludwigsburg Bike" werden in nächster Zeit nicht kommen.
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Im vergangenen Herbst haben wir hier über das „Ludwigsburg Bike“ berichtet, das auf der zu dieser Zeit stattfindenden Messe INTERMOT mit einem E-Bike Award ausgezeichnet wurde.

Als Modellkommune für Elektromobilität in Baden-Württemberg setzte man beim E-Bike-Projekt auf regionale Produkte, wie dem Pedelec aus der nahen Fahrradschmiede FXX Cycles aus Freiberg. Auch der Antrieb und eine Vielzahl der Einzelteile bzw. Zubehör stammen aus Baden-Württemberg.

Als einzige Verleihstation steht derzeit die Radstation am Ludwigsburger Bahnhof zur Verfügung, wobei in diesem Jahr die Einweihung drei weiterer Stationen im Stadtgebiet geplant waren. Doch das Vorhaben wurde vorerst ausgesetzt.

Als Grund nannte die Stadt vor kurzem zu hohe Kosten, denen zu wenig Fördermittel gegenüber stehen. Allein der Bau der Stationen war mit bis zu 58.000 EUR netto veranschlagt. Hinzu wären die Kosten für die Miete und Inbetriebnahme der Pedelecs gekommen, wozu sich die Kosten für den laufenden Betrieb gesellt hätten.

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Gleichwohl hat sich nur ein Bewerber für den Betrieb der Stationen beworben, die Nextbike GmbH aus Leipzig, die auch die regionalen Pedelecstationen in Bietigheim-Bissingen, Schwieberdingen und Waiblingen betreibt.

Mit diesen ist aber das Konzept der Stadt Ludwigsburg mit E-Bikes von FXX Cycles nicht zu machen, da durch Nextbike in den anderen Stationen andere Pedelecs zum Einsatz kommen. Diese müssen untereinander und an jeder Station austauschbar sein. Diese Vorgabe wäre mit dem Ludwigsburg Bike nicht zu erfüllen gewesen.

Ganz gestorben ist das Projekt jetzt natürlich nicht. Sollten sich in der Zukunft noch genügend Fördermittel für eine Fortführung erschließen, so stehe man weiter mit seinem Vorhaben bereit. Die jetzigen Fördermittel werden in benachbarten Projekten verwendet und sind nicht verloren.

Mit Informationen aus dem Artikel „E-Bike-Projekt muss warten“ der Bietigheimer Zeitung (SWP) vom 29. Mai 2015.

Unser Kommentar

Wir von Pedelecs & E-Bikes beobachten die Elektromobilitätsprojekte im Umkreis von Stuttgart schon länger genauer und stellen nach anfänglicher Hoffnung mittlerweile fest, dass aufgrund von fehlender Abstimmung und überregionaler Planung viele Projekte kurz vor dem Scheitern bzw. wie in Ludwigsburg vor der der Stagnation stehen.

Jeder kocht sein eigenes Süppchen und möchte seine Idee durchbringen. Erreicht wird damit nur das Gegenteil: Der Elektromobilität offen gegenüber stehende Menschen werden verwirrt, Nachbarsysteme (Fahrrad-/ E-Bike-Verleih) sind nicht kompatibel und machen sich damit selbst nahezu überflüssig.

Gerade zur Zeit werden beim unserer Ansicht nach gut laufenden System von Nextbike, welches im Rahmen des Projektes NETZ-E2R läuft, alle Pedelecs auf unserer Meinung nach für die Topografie ungeeignete Modelle mit Hinterradantrieb umgestellt bzw. sind es schon, so dass hier nach dem Ausprobieren wohl keine Unmengen an Pedelec-Begeisterten zu erwarten sind.

Hier sollte man in Zukunft sich besser abstimmen, die E-Bike-Modelle über einen längeren Zeitraum in der Gegend testen, wo diese im Endeffekt auch genutzt werden sollen. Dass der Antrieb das Pedelec auf einer geraden und flachen Strecke gut anschiebt, reicht in der Regel nicht aus, wenn es später oft Steigungen überwinden muss.

Wenn man jetzt die richtigen Weichen stellt und jeden, der ein E-Bike zum ersten Mal oder auch über einen längeren Zeitraum ausprobiert oder nutzt, begeistert — dann, und erst dann kann die Mobilitätswende auch mittels Elektrofahrrädern gelingen.