Manipulierte Pedelecs sind für Polizei und Prüforganisationen bislang nur schwer direkt bei einer Verkehrskontrolle zu überprüfen. Das Dresdner Unternehmen EMEC-Prototyping arbeitet deshalb an einem mobilen Prüfstand, mit dem sich Elektrofahrräder und weitere elektrisch angetriebene Kleinfahrzeuge künftig direkt vor Ort untersuchen lassen sollen.
Nach Angaben des manager magazins geht die Gewerkschaft der Polizei davon aus, dass bis zu zehn Prozent der Pedelecs auf deutschen Straßen manipuliert sein könnten. Besonders relevant ist das Thema offenbar in der Lieferbranche. Eine 2026 veröffentlichte Studie der TU Dresden im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) kommt demnach zu dem Ergebnis, dass sieben Prozent der befragten Lieferfahrer ihr Fahrrad für höhere Geschwindigkeiten getunt hatten. Weitere vier Prozent gaben an, ihr Fahrrad für einen Betrieb ohne Trittunterstützung umgebaut zu haben.
Mobiler Prüfstand für verschiedene Fahrzeugtypen
Der von EMEC-Prototyping entwickelte Prüfstand soll Manipulationen KI-gestützt erkennen und belastbare Prüfergebnisse unmittelbar vor Ort liefern. Die kompakte Konstruktion ist für den mobilen Einsatz ausgelegt. Das System soll sich in einem Einsatzfahrzeug transportieren und innerhalb weniger Minuten aufbauen lassen.
Das Entwicklungsziel geht dabei über klassische Pedelecs hinaus. Neben E-Bikes sollen auch S-Pedelecs, Lastenräder und E-Scooter mit dem Prüfstand untersucht werden können.
Hintergrund ist auch die zunehmende Diskussion über die Folgen illegaler Veränderungen an Elektrofahrrädern. Die Fahrradverbände Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) und Zukunft Fahrrad haben sich in diesem Zusammenhang an Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas gewandt.
Sie fordern unter anderem, sichere und legale Elektrofahrräder als Arbeitsmittel in die Arbeitsschutzbestimmungen aufzunehmen. Gleichzeitig verweisen die Verbände auf steigende Unfallrisiken und mögliche Auswirkungen illegaler Tunings auf das Image des E-Bikes.
Entwicklung läuft, Start ab Sommer 2027 geplant
Der mobile Prüfstand befindet sich derzeit noch in der Entwicklung. Nach aktuellem Plan soll das System ab Sommer 2027 verfügbar sein.
Gefördert wird das Vorhaben durch den Freistaat Sachsen über die Sächsische Aufbaubank (SAB) und aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert. Mit dem Projekt erweitert EMEC-Prototyping sein bestehendes Tätigkeitsfeld im Bereich Prüftechnik, Testsysteme und Sonderanlagenbau.
Für Verkehrskontrollen könnte ein solcher mobiler Prüfstand insbesondere dann interessant werden, wenn sich Manipulationen damit zuverlässig und reproduzierbar direkt am Kontrollort feststellen lassen. Ob und in welchem Umfang das System diese Anforderungen erfüllt, wird sich allerdings erst mit Abschluss der Entwicklung und den anschließenden praktischen Einsätzen zeigen.




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