Eine aktuelle Studie des GDV steht Statistiken des ACE aus dem Vormonat entgegen, bei welchem E-Bikes und Pedelecs unfallträchtiger sein sollen als herkömmliche Fahrräder.
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Bei der Durchführung der Studie hat die Unfallforschung des GDV herausgefunden, dass Pedelecs und E-Bikes nicht grundsätzlich gefährlicher sind als ihre Pendants ohne elektrische Unterstützung.

Fahrer von Pedelecs, die bis 25 Stundenkilometer beim Treten unterstützt werden, kommen nur auf eine geringfügig höhere Durchschnittsgeschwindigkeit als „normale“ Radfahrer und erleben im Alltag trotzdem kaum mehr riskante Situationen.

Das Gleiche gilt laut der GDV-Studie auch für Fahrer von S-Pedelecs, die bekanntlich bis zu 45 km/h Tretunterstützung erhalten und auch nicht öfter in kritische Verkehrssituationen kommen.

Die These wird auch vom Zweirad-Industrie-Verband e.V. (ZIV) unterstützt, der seine Position zum Thema auf Erkenntnisse eines Forschungsprojekts der TU Chemnitz stützt, welches ebenfalls vom Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) in Auftrag gegeben wurde. Pedelecs und E-Bikes berichtete hiervon bereits Ende Mai.

Kein erhöhtes Risiko beim Pedelec

Für die Studie haben Unfallforscher des GDV die Mobilität, die Geschwindigkeit und die Risiken im Verkehrsalltag von Pedelec-Fahrern im Vergleich zu konventionellen Radfahrern untersucht und Autofahrer deren Geschwindigkeit einschätzen lassen. Dazu wurde die amtliche Verkehrsunfallstatistik hinzugezogen und analysiert.

Fahrer von Pedelecs und E-Bikes rasen nicht

Für die Studie des Fahrverhaltens haben die Unfallforscher die Zweiräder der Teilnehmer, deren Altersspanne von 16 bis 83 Jahren reichte, mit Sensoren und Kameras ausgerüstet. Davon waren 31 Fahrradfahrer, 49 Pedelec-Fahrer und 10 S-Pedelec-Fahrer.

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Die anschließende Aufzeichnung erfasste das natürliche Fahrverhalten der Teilnehmer über einen Zeitraum von vier Wochen und wurde danach ausgewertet. Dabei gelangte die Forscher zu folgenden Erkenntnissen:

Die Unterschiede in der Nutzung des Zweirades, der gefahrenen Wegstrecken und der gefahrenen Geschwindigkeit fiel sehr gering aus. Die Nutzer setzten den Elektroantrieb in erster Linie dazu ein, um fahrradähnliche Geschwindigkeiten mit weniger Aufwand zu erreichen und nicht eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit zu erzielen. Besonders ältere Fahrer waren hier deutlich langsamer unterwegs.

Autofahrer schätzen Geschwindigkeit von eBikes häufig falsch ein

Weiter wurde auch die Wahrnehmung der Autofahrer hinsichtlich der Geschwindigkeit von Elektrorädern und anderen einspurigen Fahrzeugen untersucht. Hier untersuchten die Experten des GDV, inwiefern sich die Variation von Faktoren wie beispielsweise Annäherungsgeschwindigkeit, Alter des Fahrers oder die Trittfrequenz auf die Geschwindigkeitswahrnehmung auswirkten.

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Im Ergebnis schätzten die Autofahrer die Geschwindigkeit der E-Bikes und Pedelecs oft falsch ein, allerdings nicht so gravierend, dass eine Gefährdung der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer aufgetreten wäre.

Zahl der Alleinunfälle gestiegen

Bei der Analyse der Unfallstatistiken fiel den Forschern auf, dass die Anzahl der Unfälle mit Toten oder Verletzten, bei welchen Pedelecs involviert waren, häufig außerorts passiert.

Auch die Anzahl der Alleinunfälle und Unfälle auf Strecken mit Gefälle sind gegenüber den normalen Fahrradfahren deutlich erhöht. Allerdings lässt sich das laut Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV) beim GDV, nicht ursächlich auf Pedelecs oder E-Bikes zurückführen:

Nicht das Pedelec ist das Problem, sondern die derzeit überwiegende Nutzergruppe. Viele Senioren freuen sich über neu gewonnene Mobilität, haben dann aber Schwierigkeiten mit dem Handling des Pedelecs. Hier sind die Händler in einer besonderen Verantwortung, bei der Auswahl des optimalen Geräts sachkundig zu beraten und die Pedelec-Fahrer ausführlich einzuweisen.Siegfried Brockmann

Auch rät der UDV-Leiter des GDV den älteren Pedelec-Nutzern zur Absolvierung von Trainingsveranstaltungen z.B. bei Verkehrswachten, um so selber für mehr Sicherheit zu sorgen. Außerdem sei das Tragen eines Helmes obligatorisch.

Weitere Informationen zum Thema:

Bilder: ADFC, GDV