Die Biketec AG, Hersteller der Flyer E-Bikes, geht trotz schwierigem Marktumfeld zuversichtlich in die neue Saison. Das bekräftigte CEO Simon Lehmann auf einer Pressekonferenz, die am 17. April 2015 am Firmenstandort in Huttwil abgehalten wurde.

Das vergangene Geschäftsjahr 2014 war voll von Ereignissen und Veränderungen, die sich auf die Entwicklung des Unternehmens auswirkten.

So trat Simon Lehmann im März 2014 sein Amt als CEO der Biketec AG an und löste dabei „Mr. FLYER“ Kurt Schär ab, der nach über 13 Jahren von der Spitze des Unternehmens zurückgetreten war.

Außer Kurt Schär zog sich im März 2014 auch das gesamte Gründungsmanagement von FLYER zurück, wobei die in 2012 ins Boot geholte EGS Beteiligungen AG gleichzeitig Mehrheitsaktionär wurde und zudem fortan auch den Verwaltungsratspräsidenten stellt.

Der neue Mann auf dem Chefsessel hatte es von Beginn an nicht leicht und wurde sogleich vor größere Probleme gestellt, die es dann umgehend anzugehen galt.

So kämpfte die Biketec AG mit größeren Lieferschwierigkeiten, ohne die man das letzte Jahr ohne Zweifel mit noch größerem Erfolg hätte abschließen können. Die Loslösung des Schweizer Franken Anfang diesen Jahres kam dem Unternehmen wie auch anderen exportorientierten Schweizer Firmen gehörig in die Quere.

Vortrag CEO Lehmann

Vortrag CEO Lehmann

Trotzdem blickt die Führung des Schweizer E-Bike Pioniers zuversichtlich in die Zukunft und so erläuterte Lehmann mit seinen Kollegen vor wenigen Tagen auf einer zu diesem Anlass einberufenen Pressekonferenz, wie der Schweizer Premium-Hersteller seine Position am Markt behaupten und in Zukunft noch weiter ausbauen möchte.

Flyer 2015: Die Neuerungen

Das neue Management der Biketec AG hat sich zum Ziel gesetzt, FLYER schneller, besser und effizienter zu machen. Dafür führte man einige Neuerungen beim führenden Schweizer E-Bike-Hersteller ein.

In den Jahren seit der Gründung der Biketec AG 2001 wuchs das Sortiment auf über 2.500 Artikel an, was die Händler und vor allem die Logistik vor Herausforderungen stellte.

Der neue CEO Simon Lehmann, der eigentlich branchenfremd ist und bisher im Tourismussektor tätig war, veranlasste eine Straffung der angebotenen Artikel, so dass FLYER schon zur Eurobike 2014 erstmals in der Geschichte des Unternehmens mit einem Katalog aufwarten konnte.

Das Jahr 2014 hätte zudem mit bis zu 30 Prozent mehr E-Bike-Verkäufen noch erfolgreicher verlaufen können, wenn FLYER nicht mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen gehabt hätte. So konnte man die Rekordnachfrage im letzten Jahr nicht wie gewünscht bedienen.

Nicht nur deswegen verschob man den Produktionszyklus beim führenden Schweizer E-Bike Hersteller um vier Monate nach vorne und leitete zudem eine operative Neuausrichtung mit verbesserter Planung in die Wege. Dazu mehr im weiteren Text.

Aktuell wird bei der Biketec AG noch ein SAP-System eingeführt, welches ab Mai 2015 die Unternehmensabläufe auf dem neuesten Stand der Technik unterstützen soll.

FLYER ist Marktführer bei E-Bikes in der Schweiz und Marktführer im Premium-Segment über 3.000 EUR in Deutschland und den Niederlanden. Diese Position möchte man seitens der Geschäftsleitung in Zukunft noch ausbauen.

Dabei legt die Biketec AG ihr Augenmerk noch mehr als bisher auf die Erfüllung von Kundenbedürfnissen und möchte genau die Elektroräder herstellen, die vom Kunden verlangt bzw. gebraucht werden. Als übergeordnetes Ziel sollen mehr Leute aufs Fahrrad gebracht werden.

Durch den Entscheid der Schweizer Nationalbank am 15.01.2015 den Franken vom Euro abzukoppeln, wurden die exportorientierten Schweizer Unternehmen hart getroffen. Auch die Biketec AG wurde hierbei auf dem falschen Fuß erwischt.

Kurioserweise steckte CEO Simon Lehmann in dieser Zeit gerade in Verhandlungen mit seinen Geschäftspartnern, in denen es eben um die Währungskurse ging. Infolge der SNB-Entscheidung rief Lehmann umgehend eine Task Force ein, die sich mit der möglichen Reaktion auf die veränderten Umstände beschäftigte.

Das Team erarbeitete dann folgende Lösungen, welche die veränderten Bedingen möglichst gut abfedern sollten: So wurde der Preis für die E-Bikes von FLYER im Euro-Raum umgehend um 10 Prozent angehoben, die Händler in der Schweiz wurden hiervon mittels eines Cashback-Programms in Höhe von 400 Franken ausgenommen.

Wie sich die Änderungen auswirken werden, kann man bei der Biketec AG bis jetzt noch nicht genau abschätzen. Die Schweiz behauptet sich bis jetzt aber mit stabilen Verkäufen, während die Niederlande auf ihr stärkstes Jahr hinarbeitet. Nur die Entwicklung in Deutschland ist bis jetzt noch nicht abzusehen.

Ein Abbau von Arbeitsplätzen am Produktionsstandort stand zudem außer Frage. Hier wurde die regelmäßige Arbeitszeit von 42,5 auf 45 Stunden erhöht. Die Arbeitszeitverlängerung soll aber nur vorübergehend Bestand haben.

Lehmann nannte auf der Pressekonferenz am Freitag auch einen Grund für die erhöhten Verkaufspreise für die E-Bikes gleich welcher Marke, der sich hauptsächlich an den teurer gewordenen Komponenten aus Taiwan festmacht. Hier schlägt der niedrige EURO-Kurs den Verbrauchern hierzulande ein Schnippchen, da die Teile in Taiwan in Dollar eingekauft werden müssen.

Der CEO der Biketec AG stellte zudem fest, dass es schon zur Eurobike 2015 erneut eine Preiskorrektur für E-Bikes geben könnte…

Produktion bleibt am Standort in Huttwil

Die Geschäftsführung von FLYER betonte auf der PK am 17. April 2015, dass man am Standort in schweizerischen Huttwil festhalten möchte. Die „Swissness“ in den Produkten solle unbedingt erhalten bleiben.

Inzwischen beschäftigt der führende E-Bike-Hersteller in der Schweiz über 200 Menschen an der modernsten Produktionsstätte für Elektroräder in Europa. Die Qualität und Verlässlichkeit der E-Räder von FLYER soll durch die Endfertigung in Huttwil gesichert werden.

Produktion bei FLYER

Produktion bei FLYER

Die Marke FLYER ist ja den meisten Leuten durch ihre Tiefeinsteiger-eBikes bekannt, durch deren Schwanenhals-Optik diese oft gleich als „Opa-Rad“ abgestempelt wurden.

Der Produkt-Manager der Biketec AG, Ivica Durdevic, der seit Januar 2013 im Unternehmen ist, erläuterte die neue Produktstrategie, die auch schon teilweise umgesetzt wurde.

Die Einteilung der FLYER-Serien erfolgt in nunmehr drei Kategorien: Tour, Urban und Sport, wobei der Komfort-Sektor (CMT) mit E-Bikes im Bereich Touren/ Komfort ungefähr 77 Prozent ausmacht. In die Serie Tour fallen somit die C-Serie, T-Serie, B-Serie und das Tandem. Die Urban-Reihe beinhaltet das neue Flogo, die TS-Serie, RS-Serie und das Vollblut.

serien_flyer_2015

In 2014 stellte die Biketec AG zudem ihre neue Serie von E-Mountainbikes vor. Das FLYER Uproc6 wird seitdem mit Preisen überschüttet, wobei sich das Goroc ebenfalls nicht verstecken muss, genauso wie das Uproc3.

Als Ziel hatte sich die Biketec AG gesetzt, ihre E-Mountainbikes in den TOP 3 zu platzieren – wie es aussieht haben sie ihre Ziele wohl klar übertroffen. Die gefundene Designsprache der E-MTBs wird noch ausgebaut und auch wohl auf die anderen Linien des Herstellers übertragen.

Ein weiteres Segment, welches bald durch FLYER abgedeckt werden soll, ist der E-Lastenrad Bereich. Hier hatte man vor einiger Zeit einmal mit dem FLYER Cargo ein Modell im Angebot, welches aber durch besser nutzbare Modelle in Zukunft abgelöst werden soll.

Ivi Durdevic betonte auf der Pressekonferenz, dass man damit die urbane Mobilität im urbanen Bereich vorantreiben möchte und zumindest den Zweitwagen im Sommer mit einer neuen Cargo-eBike Serie von FLYER ablösen möchte.

Ebenfalls wird es demnächst einen neuen schnellen FLYER geben, der sich aber vom bisher verfügbaren FLYER Vollblut abhebt und zu einer ganzen Familie ausgebaut werden soll. Die S-Pedelecs sollen natürlich alle in Deutschland homologiert sein und dadurch hierzulande legal zu nutzen sein.

Der technische Geschäftsführer Durdevic betonte dabei aber, wie auch Lehmann zuvor, den Fokus zu allererst immer auf den Kundennutzen zu legen und nicht darauf, möglichst viele Preise zu gewinnen.

FLYER möchte in Zukunft folgende Trends umsetzen

Weiter hob Ivica Durdevic das angestrebte Engagement hinsichtlich Forschung und Entwicklung hervor, für welches das bisherige Team schon verdoppelt wurde. Hier sollen schon bald vermehrt kundenorientierte Innovationen den Markt für E-Bikes bereichern.

Vortrag Ivica Durdevic

Vortrag Ivica Durdevic

Auf der Pressekonferenz Mitte April in Huttwil stellte die Führung der Biketec AG beispielsweise folgende Entwicklungen im E-Bike-Bereich in Aussicht.

Einen großen Faktor wird laut FLYER die Tatsache spielen, dass bei E-Bikes logischerweise schon der Strom an Bord ist. Dadurch wird es in Zukunft mehr Bauteile geben, die den vorhandenen Strom auch nutzen, z.B. für Schaltungen oder Komfort-/ Fitnessanwendungen, etc..

Auch die Anzahl an E-Bikes im Vergleich zu konventionellen Fahrrädern wird ansteigen, so dass für FLYER ein weiteres Wachstum wahrscheinlich ist. In 2014 hat man am Standort in Huttwil ca. 45.000 E-Bikes gefertigt, für 2015 erwartet man (mit inzwischen 10. Produktionslinie) ca. 52.000 Einheiten. Ausgelegt ist die Fabrik auf die Ausbringung von 80.000 E-Bikes, so dass die Kapazitäten hier noch lange nicht erschöpft sind.

Zudem fährt man bei Elektrorad-Hersteller aus der Schweiz bisher nur eine Schicht, so dass hier im Bedarfsfall die Möglichkeit der Hinzunahme einer zweiten oder dritten Schicht in Erwägung gezogen werden kann.

Die Biketec AG zieht auch die Verwendung neuer Antriebe wie den Shimano STePS oder die Motoren von GreenTrans in Betracht, so dass es auch hier bald eine Erweiterung der Produktpalette geben könnte. Neue Farbwelten sind zudem geplant, die sich harmonisch in den Auftritt der Marke FLYER einfügen.

Die geplanten Modelle der neuen S-Pedelec Serie soll alle Sicherheitsauflagen, die vom Gesetzgeber gefordert sind, bestmöglich umsetzen.

Auch an der Markenpositionierung möchte man weiter arbeiten und die bis heute eher diffuse Brandwahrnehmung durch geeignete Maßnahmen schärfen. Damit soll die Marke FLYER in Zukunft klar und sauber im Markt positioniert werden.

We love to move people!FLYER 2015

Allgemein sieht die Geschäftsführung der Biketec AG eine fortlaufende Verjüngung im E-Bike-Markt, so dass die Zielgruppe immer jünger wird. Auch FLYER wird sich diesem Trend anschließen und dafür passende Produkte anbieten.

Die FLYER Führung

Die FLYER Führung

Laut Ivi Durdevic gleicht das ideale E-Bike sehr stark dem herkömmlichen Fahrrad, wobei die E-Bike-Technik dann möglichst unsichtbar und unhörbar im Fahrzeug untergebracht sein sollte. Diese Hypothese, die vielleicht nie ganz erreicht werden kann, hat man als Ziel für FLYER ausgerufen.

Geplante Neuerungen zur Eurobike 2015

Zur größten Fachmesse im Fahrradbereich weltweit, der Eurobike in Friedrichshafen, wird FLYER schon einige Neuheiten präsentieren. So soll der Akku bei diversen Modellen integriert ausgeführt werden, so dass er die Linienführung des E-Bikes in geringstem Masse unterbricht.

Im Weiteren soll es ein spezielles FLYER-Cockpit geben, das den Wiedererkennungswert der Modelle des Schweizer Marktführers stärken soll, ähnlich wie es heutzutage die Automobilfirmen mit ihren Modellen in Hinsicht auf die Fahrzeugbeleuchtung tun. Dieses Feature kommt wahrscheinlich noch nicht zur Eurobike.

In weiterer Zukunft sollen die FLYER-eBikes auch hinsichtlich Leichtbau, Design, Nutzererlebnis und Integration optimiert werden, wobei die Devise gelten soll: „Jedes Bike ist ein eBike!“.

Die Biketec AG ist der größte Abnehmer der Elektroantriebe von Panasonic und möchte die Zusammenarbeit in Zukunft noch weiter ausbauen und auch die Entwicklung noch mehr vorantreiben. Die Akkus werden vom führenden Unternehmen Sanyo bezogen.

In Zukunft soll es beim Schweizer eBike-Spezialisten einen Mix aus Antriebssystemen geben, ebenso einen Mix aus Schaltungen (Nabe, Kette, Automatik), wobei die Modellpalette weiter gespreizt werden soll.

Wie sieht sich FLYER für die Zukunft positioniert?

Die Biketec AG sieht sich für die Zukunft gut aufgestellt und kann dank guter Finanzlage auch die Ruhe im Unternehmen bewahren, so dass eine unaufgeregte und sachliche Umsetzung der Unternehmensziele möglich ist.

Man möchte seinen Status als Pure Player und Spezialist im E-Bike-Bereich weiter ausbauen und vorrangig die Märkte D-A-CH und NL bedienen. Später sollen Südkorea, Australien und die USA hinzukommen, wobei CEO Simon Lehmann dem Land „Down Under“ mittelfristig eine größere Erfolgschance einräumt als den Vereinigten Staaten.

Auch in Italien, Frankreich und in Skandinavien möchte man aktiv werden und sieht weitere Chancen für die erfolgreiche Positionierung im dortigen Markt für Elektrofahrräder.

Weiter soll der wachsende Geschäftskunden-Bereich (B2B) ausgebaut werden und dabei helfen, Verluste durch die Abkoppelung des Franken vom Euro zu kompensieren.

Die Geschäftsleitung betont aber zum Abschluss der Pressekonferenz noch einmal, dass die FLYER E-Bikes als eigenständige Marke differenziert im Markt dargestellt werden soll, und nicht als Bosch-Pedelec oder Panasonic-eBike, sondern als FLYER.

Engagement im Tourismus bzw. Onlinehandel

Auch zur Zukunft im Bereich des Tourismus äußerte sich die Geschäftsleitung auf de Pressekonferenz. Der bisherige Partner Movelo setzt ja in Zukunft auf E-Bikes des Herstellers Derby Cycle. Hier hat FLYER schon neue Partner in Aussicht, wobei hier die FLYER E-Bikes beispielsweise auf den touristischen Angeboten von „Mein Schiff“ oder in den Urlaubsangeboten der TUI verfügbar werden sollen.

Auch im Online-Handel für Zubehör oder auf Plattformen für gebrauchte E-Bikes bzw. E-Bike Angebote möchte FLYER seine Präsenz erhöhen. Allerdings möchte man neue E-Bikes nicht per Internet verkaufen. Hier verfolgt der Hersteller die Strategie, dass alle FLYER E-Bikes persönlich an den neuen Besitzer überreicht werden sollen.

Die Führung der Biketec AG um CEO Simon Lehmann sieht den Fahrrad-Handel im Moment noch nicht im Internet angekommen, allerdings informieren sich ungefähr 70 Prozent der E-Bike Käufer vorab im Internet über ihr bevorzugtes Produkt.

Das E-Bike muss aber vor allem erfahren werden. Hierfür hält die Biketec AG an ihrem Standort in Huttwil fest, denn durch die einmalige Lage im „E-Bike Paradies“ der Schweiz können die Kunden vor Ort touristische Angebote wie die „Herzroute“ oder das FLYER-Erlebnis in Angriff nehmen. Auch neue Teststrecken zur Probefahrt mit den neuen E-Mountainbikes wurden in Betrieb genommen.

E-bike Paradies um Huttwil

E-bike Paradies um Huttwil

Das Angebot von FLYER für bestehende und zukünftige kunden und Geschäftspartner umfasst spannende Werksbesichtigungen, gemütliche Genussrouten, sportliche Bike-Touren (E-MTB-Teststrecken vor Ort), abwechslungsreiche Pauschalangebote, regionale Werks-Gastronomie, umfassende Seminarangebote sowie lehrreiche Fahrsicherheitskurse.

Paukenschlag: Christian Müller wird neuer CSO

Mit der Verkündung einer neuen Personalie hat die Biketec AG am Freitag die versammelten Journalisten überrascht. So wird Christian Müller, der bisherige CEO der myStromer AG, schon ab 01. Juli 2015 den freien Posten des Verkaufsleiters übernehmen.

Hier kommt der Biketec AG dessen langjährige Erfahrung und das breite Netzwerk des 52-jährigen zugute, der als neuer CSO (Chief Sales Officer) die Geschicke im Vertrieb seines ehemaligen Konkurrenten lenken soll.

Auch im Verwaltungsrat der Ernst-Göhner-Stiftung gibt es Änderungen. So wurden Alexander Selch (CEO der Uvex-Sportgruppe) und der selbständige Unternehmer Martin Strehl an der Generalversammlung im Februar 2015 einstimmig neu in den Verwaltungsrat gewählt.

Weitere Informationen finden Sie direkt auf den Webseiten von FLYER.