Die Förderungen für den Radverkehr wurden bekannt gegeben.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat gestern sieben Förderbescheide für innovative Pilotprojekte zur Radverkehrsförderung übergeben. Die sieben Radverkehrsprojekte werden im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP) gefördert und haben allein ein Gesamtfördervolumen von rund 1,5 Millionen Euro.

Der Verkehrsminister Dobrindt teilt dazu mit:

Wir wollen den Radverkehr in Zukunft noch attraktiver, sicherer und innovativer machen. Elektromobilität und Digitalisierung eröffnen hier ganz neue Einsatzmöglichkeiten. Im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans fördern wir deshalb innovative Pilotprojekte.Alexander Dobrindt

Die Themenbandbreite der frisch gestarteten Projekte ist groß: Ein Projekt wird z.B. sicherheitsorientierte Fahrerassistenzsysteme für Elektrofahrräder testen. Die Leibniz Universität und die Medizinische Hochschule in Hannover werden gesundheitsfördernde Effekte durch die Pedelec-Nutzung untersuchen.

dobrindt_foerderbescheide_radverkehr_2016-3

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur stellt jährlich 3,2 Millionen Euro für die Förderung nicht-investiver innovativer Radverkehrsprojekte bereit. Die Förderschwerpunkte wechseln jährlich.

Im Bereich Pedelec & E-Bikes werden dieses Jahr unter anderem folgende Radverkehrsprojekte gefördert:

  1. Ein Rad für alle Fälle – Durch das Vorhaben soll das Pedelec als Verkehrsmittel im Alltagsverkehr stärker etabliert werden

    Zuwendungsempfänger: Rhein-Sieg-Kreis
    Laufzeit: 01.05.2016 – 30.04.2019

    Durch das Vorhaben soll das Pedelec als Verkehrsmittel im Alltagsverkehr stärker etabliert werden. Dabei kann das Pedelec entweder als Zubringer zu zentralen ÖPNV-Haltestellen mit regelmäßigem ÖPNV-Angebot oder als alleiniges Verkehrsmittel im Alltagsverkehr eingesetzt werden. Die Fahrräder werden hierfür von Montag–Freitag von einer Tourismusorganisation genutzt. Am Wochenende erfolgt weiterhin ein Verleih der Pedelec im touristischen Freizeitverkehr. Die Machbarkeit dieser Doppelnutzung soll erprobt werden. Gleichzeitig wird ein sinnvoller Marktpreis ermittelt, den die Nutzer bereit sind zu bezahlen und Anbietern die Möglichkeit gibt, wirtschaftlich zu arbeiten. Das Modellvorhaben findet im ländlichen Raum mit gleichzeitig schwierigen topografischen Verhältnissen statt. Das Projekt ist in 4 Phasen unterteilt, wobei das entsprechende Arbeitsprogramm in den beiden Durchführungsphasen in 2017 und 2018 identisch ist. Im Jahr 2016 finden im Wesentlichen die vorbereitenden Arbeiten statt (Phase 1). Hier sollen mittels Öffentlichkeitsarbeit die Teilnehmer am Modellversuch gewonnen werden. Parallel wird durch Unterstützung der wissenschaftlichen Begleitung der Fragebogen erarbeitet und die Abstellsituation der Räder an den Haltestellen des öffentlichen Verkehrs geklärt. In den Jahren 2017 und 2018 (Phase 2 und 3) findet der eigentliche Feldversuch mit einer Mobilitätsberatung und der Befragung im Anschluss statt. Ende 2018 beginnt mit der Evaluation die 4. Phase.

  2. Sicherheitsorientierte Fahrerassistenzsysteme für Elektrofahrräder (SIFAFE)

    Zuwendungsempfänger: Technische Universität Kaiserslautern – Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik
    Laufzeit: 01.04.2016 – 31.03.2019

    Elektrofahrräder (insbesondere Pedelec und S-Pedelec) sind ein wesentlicher Baustein für nachhaltige Mobilitätskonzepte. Neue Nutzergruppen (z. B. Wiedereinsteiger und ältere Menschen), neue Nutzungsprofile (z. B. Überlandstrecken und Lastenverkehr) und erhöhte Geschwindigkeiten machen jedoch grundlegend neue Sicherheitskonzepte für Elektrofahrräder erforderlich. Passive Sicherheitseinrichtungen wie Helme wurden in vergangenen Jahren umfassend untersucht und sind weit verbreitet. Aktive Sicherheitseinrichtungen wie Fahrerassistenzsysteme wurden dagegen bislang kaum erforscht und sind nur vereinzelt verfügbar. Hier setzt das Projekt an. Ziele des Projekts sind die Potentialanalyse, Konzeption sowie exemplarische Realisierung und Evaluation von sicherheitsorientierten Fahrerassistenzsystemen (FAS) für Elektrofahrräder. Als Basis sollen FAS für PKW, LKW und Krafträder herangezogen werden. Für den Einsatz in Elektrofahrrädern müssen diese FAS jedoch hinsichtlich der Eignung evaluiert, adaptiert und weiterentwickelt werden. Beispielsweise sind besondere Anforderungen von Elektrofahrrädern (z. B. Anzeige- und Bedienelemente, Raum- und Energiebedarf, Gewicht, Witterungseinflüsse) sowie spezifische Unfallarten gezielt zu berücksichtigen. Auf Basis der Anforderungen werden ganzheitliche Konzepte für sicherheitsorientierte FAS entwickelt. Hierbei werden sowohl fahrzeugtechnische als auch verkehrswissenschaftliche Aspekte einbezogen. Mittels Nutzerbefragungen sollen die Konzepte hinsichtlich der typischen Unfallarten, des Nutzerbedarfs und der Nutzerakzeptanz komplementiert und validiert werden. Anhand exemplarischer Versuchsaufbauten sollen schließlich die Sicherheit (insbesondere hinsichtlich der Ablenkung), die Wirksamkeit und der Nutzen von sicherheitsorientierten FAS im Fahrversuch evaluiert werden. Hierzu sollen telematik- und videobasierte Beobachtungsverfahren mit Fokus auf das Fahrrad und die Radfahrenden im Wechselspiel mit Konfliktsituationen eingesetzt werden.

  3. Prospektive Studie zu gesundheitsfördernden Effekten der Pedelec-Nutzung. Tragen Pedelecs trotz geringerer körperlicher Belastung im Vergleich zum Radfahren dazu bei, die Zielvorgaben der WHO zu körperlicher Aktivität in der Prävention zu erreichen?

    Zuwendungsempfänger: Medizinische Hochschule Hannover – Institut für Sportmedizin
    Laufzeit: 01.07.2016 – 30.06.2019
    Zuwendungsempfänger: Leibniz Universität Hannover – Institut für Versicherungsbetriebslehre
    Laufzeit: 01.07.2016 – 30.06.2019

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt zur präventiven Gesundheitsförderung 150 min moderate bzw. 75 min intensive ausdauernde körperliche Aktivität pro Woche. Damit wird das Auftreten von Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- und Krebserkrankungen um bis zu 50 % reduziert. Bei Pedelec-Nutzung sind Energieumsatz und Herzfrequenz (HF) um 29-37 % geringer als beim Radfahren. Bei Nutzung eines Pedelecs anstelle eines Fahrrades könnte daher seltener die WHO-Empfehlung erreicht werden. Ziel der Studie ist zu untersuchen, welchen Beitrag das Pedelec in der Förderung von Gesundheit leisten kann. In fünf Regionen werden die Gesundheitseffekte bei Pedelec-Nutzern untersucht (n=932). Primäre Zielgröße ist, in welchem Umfang die WHO-Empfehlungen mit der Pedelec-Nutzung erreicht werden. Die Fahrdauer mit den HF wird zu 2 Zeitpunkten über jeweils 4 Wochen gemessen: 2 Monate nach dem Kauf und nach weiteren 12 Monaten. Fahrradkäufer mit gleicher Motivation sind die Kontrollgruppe (n=466). Sekundäre Ziele sind Gesundheits- und Lebensqualitätseffekte vor und nach einem Jahr und Unfällen. Auf Basis der erhobenen Messwerte erfolgt eine gesundheitsökonomische Analyse der Pedelec-Nutzung. Es wird erwartet, dass die Studie den konkreten, gesundheitlichen Nutzen des Pedelec-Fahrens belegt und dass für Nutzer in ganz Deutschland individuell optimale, gesundheitsorientierte Empfehlungen zum Fahren mit Pedelec gegeben werden können. Die Verbindung des Pedelec mit Präventionsaspekten wird die Akzeptanz und Marktfähigkeit/Marktdurchdringung von E-Bikes wesentlich erhöhen. Die Veröffentlichungen sollen in Pedelec-/Fahrradmagazinen, bei Fahrrad- und Gesundheitsmessen, über die Tagespresse, über die BMVI-Fahrradakademie, über E-Learning-Plattformen und via Internet erfolgen. Material über die persönliche Umsetzung der Ergebnisse soll im Handel zu Verfügung stehen. Für gesundheitsorientierte Studiengänge, für Rehakliniken und für Verbände wie ADFC, VCD, ZIV, BDR wird ein Lehrmodul Pedelec in der Prävention verfasst, um Multiplikatoren zu gewinnen und Pedelec-Schulungen zu initiieren. Das Pedelec-Fahren wird als Teil einer effektiven Prävention in sportwissenschaftlichen,–medizinischen und präventiven Lehrveranstaltungen Einzug halten. Hierzu sind praxisorientierte Lehrveranstaltungen im Rahmen der Studiengänge Medizin, Sportwissenschaft und Public Health geplant. Für Rehakliniken und Verbände wie ADFC, VCD, ZIV, BDR wird ein Lehrmodul Pedelecs in der Prävention verfasst, um Multiplikatoren zu gewinnen und Pedelec-Schulungen zu initiieren. Präsentationen sind auf nationalen und internationalen Fachkongressen geplant (u.a. Nationaler Radverkehrskongress, Velo-City, Public Health, ACSM Annual Meeting, Deutscher Sportärztekongress).

Noch bis zum 1. August 2016 können wieder neue Projektskizzen eingereicht werden. 2017 werden insbesondere Ideen zu den Themenfeldern „Infrastruktur“ und „Mobil sein mit dem Rad – für alle und sicher“ gesucht.

dobrindt_foerderbescheide_radverkehr_2016-1

Nähere Informationen zu allen geförderten Projekten und dem aktuellen Projektaufruf finden Sie unter: www.bmvi.de/Radverkehrsfoerderung.

Quelle: PM BMVI
Bilder: BMVI