Pedelecs und E-Bikes werden immer beliebter
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Der Boom von Pedelecs & E-Bikes ist weiter ungebrochen. In Europa, dem weltweit bisher einzigen Premium-Markt für elektrifizierte Zweiräder wurden in 2012 mehr als 1,1 Millionen Pedelecs abgesetzt.

Laut einer gerade eben veröffentlichten Studie der Marktforschungsagentur Schlegel und Partner aus Weinheim findet bei den Käufern von Pedelecs derzeit zudem ein Wandel in der Altersstruktur statt.

Außerdem wird das Pedelec zunehmend in der öffentlichen Wahrnehmung nicht mehr nur als Lifestyle-Objekt, sondern als mögliches neues Verkehrsmittel angesehen, welches die althergebrachten Fahrzeuge ersetzen kann.

Doch trotz dem rasanten Wachstum und dem Umdenken der Käufer ist noch weitere Entwicklung notwendig, damit das elektrisierte Zweirad den herkömmlichen Verkehrsmitteln ganz den Rang ablaufen kann.

Wie sieht das Potential des europäischen Marktes aus?

Von allen verkauften Zweirädern mit Elektroantrieb waren davon in Europa 94 % Pedelecs. Allerdings steckt der Markt hierzulande noch in den Kinderschuhen und soll um mehr als 20 Prozent p. a. in den nächsten Jahren wachsen.

Vergleicht man den europäischen E-Bike-Markt mit dem in China, so findet man dort augenscheinlich den weltgrößten mit 23 Mio. Einheiten im Jahre 2012. Diese Elektrofahrzeuge sind aber nicht mit den hier verkauften vergleichbar. Dort bestimmen „Low-Budget-Produkte“ den Markt und ein durchschnittliches chinesisches E-Bike kosten ungefähr 180 Euro, während sich der Durchschnittspreis hier in Europa bei 1.850 Euro bewegte.

Aber auch in technischer und rechtlicher Hinsicht sind die E-Bikes aus China oder Indien nicht mit den Europäischen Modellen gleichzusetzen. Der Wachstumsmarkt in Europa ist stark von innovativer Technologie getrieben und besitzt zudem eine geringe Preiselastizität, weswegen die kommerzielle Bedeutung immer mehr zunimmt.

Nicht ohne Grund haben namhafte Anbieter wie Bosch, Panasonic oder BionX ein neues Segment eröffnet und diverse E-Bike-Antriebe im Premiumbereich ins Portfolio genommen.

Mit immer besseren und innovativeren Produkten entsteht eine echte Vielfalt an Antrieben, die sich in Wirkungsgrad, Motorposition, Bedien- und Anzeigeelemente, thermischer Belastbarkeit und auch zusätzlichen Sicherheitsmerkmalen unterscheiden und es zudem ermöglichen, dass Kunden dabei den Antrieb erwerben können, der genau ihre Anforderungen abdeckt.

Mit Unternehmen wie Bosch wurde es erst möglich, dass eine Alltagstauglichkeit von Pedelecs erreicht wurde, die mit herkömmlichen Fahrzeugen vergleichbar ist und gleichermaßen für den Betrieb im Gelände und in diversen Alltagssituationen geeignet ist.

So gelingt es mittels gut abgestimmter Sensorik, den Fahrer je nach Geländebeschaffenheit und dessen Fahrverhalten, möglichst effizient zu unterstützen. Trotzdem werden die eingesetzten Sensoren derzeit von OEMs und Zulieferern noch als Hauptschwachpunkt angesehen, so dass hier noch Bedarf für Optimierung besteht.

Was sind die Zielgruppen und Einsatzzwecke der neuen Verkehrsmittel?

Waren die E-Bikes bisher mehr als Lifestyle-Objekte anzusehen, welcher sich auch über einen sehr hohen Preis definierte, so werden diese jetzt immer mehr zu Konkurrenten von herkömmlichen Verkehrsmitteln.

Um so größer die möglichen Einsatzzwecke der Pedelecs, umso breiter entwickelt sich auch die Altersstruktur. So waren in 2010 noch über 50 Prozent der Pedelec-Käufer über 50 Jahre alt. Mittlerweile (in den vergangenen zwei Jahren) sind aber 60 Prozent der Käufer von Elektrorädern zwischen 18 und 50 Jahren alt.

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Diese Entwicklung deckt sich mit einer Untersuchung des KIT, in welcher ein Trend vom Auto weg und hin zum Fahrrad erkannt wurde. Konkret sank dabei der Anteil an 18 bis 35 Jährigen mit Zugriff auf ein Auto von 83 % in 2002 auf 74 % in 2012, während gleichzeitig das Fahrrad als Transportmittel von 10 auf 15 Prozent zulegte.

Grund dafür stellen vor allem steigende Kraftstoffpreise, vermehrtes Verkehrsaufkommen in den Ballungsgebieten, unzureichende und meist teure öffentliche Verkehrsmittel und ein gesteigertes Umweltbewusstsein dar.

Je nach Altersgruppe werden die Pedelecs auch unterschiedlich eingesetzt. Menschen ab 50 Jahren benutzen das Pedelec mehr für Radtouren, zum Einkaufen oder zu anderen Zwecken in ihrer Freizeit, also meist als zusätzliches Fahrzeug. Die jüngere Käufergruppe zwischen 18 und 50 Jahren hingegen ersetzt damit oft schon herkömmliche Fahrzeuge und nutzt das Pedelec als täglich benutztes Alltagsfahrzeug, hauptsächlich sogar zum Pendeln an den Arbeitsplatz.

Wohin geht die Entwicklung?

Das veränderte Nutzerverhalten der Käufer von Pedelecs hat sein Übriges dazu beigetragen, den Wandel vom Lifestyle- oder Luxus-Produkt hin zu einem völlig neuen Mobilitätskonzept voranzutreiben. Bis das elektrifizierte Zweirad als vollwertiger Ersatz für herkömmliche Verkehrsmittel dienen kann, wird laut den Forschern von Schlegel und Partner allerdings noch Einiges an Weiterentwicklung notwendig sein.