Im Rahmen der Förderung von Elektromobilität in Deutschland wurden 45 Förderbescheide überreicht – nur einer dient der Förderung von Pedelecs!

Im Rahmen des Förderprogramms zur batterieelektrischen Elektromobilität hat der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Norbert Barthle, bereits letzte Woche 45 weitere Förderbescheide an die Zuwendungsempfänger überreicht.

Somit gehen weitere 11,5 Millionen Euro (von rund 30 Mio. jährlich bis 2019) an diverse Projekte in Deutschland, die damit eine Gesamtinvestition in Höhe von 24,3 Millionen Euro ermöglichen sollen. Leider gehen die Gewinner der „elektromobilen Revolution“, die Pedelecs & E-Bikes, dabei so gut wie leer aus.

Das Fass ohne Boden

Wir haben nichts gegen E-Autos. Im Gegenteil, aus unserer Sicht werden diese eine sehr große Rolle in zukünftigen Mobilität spielen. Allerdings kann man, so sehr man es sich auch wünscht, nicht einfach den Schalter umlegen und die Autoflotte in Deutschland elektrifizieren.

Dafür ist die Autolobby zu stark und hat zu viel Einfluss auf politische Entscheidungen. Als Konsequenz wird jeder mögliche, größere Fortschritt in Sachen Elektromobilität in kleinste Tippelschritte aufgeteilt und damit künstlich ausgebremst, um möglichst lange noch an den herkömmlichen Autos mit fossiler Antriebstechnik zu verdienen.

Ähnlich war es doch mit dem Wasserstoffantrieb vor gut einer Dekade, als es Beobachtern so vorkam, als ob irgendjemand den Rückwärtsgang eingelegt hätte, anstatt die Modelle einmal in einer (Klein-)Serie auf den Markt zu bringen. Ein Schelm, wer dabei denkt, dass die Öl-Lobby etwas damit zu tun gehabt haben könnte.

Nur ein Projekt in Castrop-Rauxel hat das Pedelec in diesem Förderjahr zum Thema. Von den insgesamt 45 Förderungen in Sachen Elektromobilität des BMVI in diesem Jahr richten sich aber 44 an Projekte, die direkt oder indirekt die Infrastruktur oder die Anschaffung von E-Autos (auch E-Omnibusse, E-LKW) zum Inhalt haben.

Nicht, dass dies nicht auch wichtig wäre. Aber es erreicht und nützt eben weniger Menschen, als wenn man zuerst einmal etwas für die zweirädrige Elektromobilität getan hätte. Hier wären Fördermittel angebrachter gewesen, die dann bestimmt noch mehr Menschen von ihrem PKW direkt auf den Radweg gebracht hätten.

Apropos Radweg. Wie viele Kilometer an modernen Radwegen oder gar Radschnellwegen hätte mit den Fördermitteln umgesetzt werden können, die dann die Menschen in ihrer Entscheidung auf das Fahrrad oder Pedelec anstatt auf das althergebrachte Auto zu setzen, unterstützt hätten?

Sicher, E-Autos im städtischen Fuhrpark, der Erwerb und Nutzung von E-Omnibussen oder die Ausrüstung des Münchner Flughafens mit elektrischen PKWs sind eine tolle Sache. Aber im Grunde ist es doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein und bringt die Elektromobilität in der Sache nicht wirklich weiter.

Bild: BMVI

Volksnutzen muss Vorrang haben

Das hätte die Förderung von Projekten geschafft, welche direkt von der breiten Masse der Bevölkerung hätte genutzt werden können. Ob Parkhäuser zum sicheren Abschließen des Pedelecs in den Städten (daran krankt es nämlich wirklich), eine gute und durchdachte Infrastruktur mit möglichst wenig Kontakt zum konventionellen Verkehr und eine gute Ladeinfrastruktur, die den Pedelec-Fahrer auch einmal weitere Strecken zurücklegen lässt, ohne die Angst nicht wieder nach Hause zu kommen. Hier wäre wirkliches Potential gewesen.

Als Zugabe könnte der Feinstaub erzeugende Verkehr in den Städten zurückgehen, die Menschen gesünder unterwegs sein und insgesamt ein Wandel in der Verkehrsinfrastruktur eingeläutet werden. Mit der Förderung E-Autos hätten es Städte wie Kopenhagen, London oder Amsterdam nicht geschafft, einen Wandel in ihrer Verkehrsinfrastruktur zu erzeugen. Warum setzen wir darauf?

Vom Autoland zum Elektromobilitätsland?

Es muss sich etwas ändern. Zuerst einmal die Einstellung der Fördernden. Wir beobachten schon lange diverse Projekte, die einerseits vielversprechend anfangen und im weiteren Verlauf dann fehlgeleitet oder ganz fallen gelassen werden. Ein zweiter oder dritter Anlauf? Fehlanzeige!

E-Bike-Station Bietigheim

Anders beim E-Auto. Nach ziemlich erfolgloser Kaufprämie, folgt die Förderung der Infrastruktur (obwohl kaum Fahrzeuge vorhanden) und die Aufrüstung städtischer Fuhrparks. So wird das nichts mit flächendeckender Elektromobilität und schon gar nichts mit einem Wandel.

Die hochgesetzten Ziele, welche sich die Bundesregierung bis 2020 in Sachen E-Auto gesetzt hat, haben E-Bikes und Pedelecs schon längst geschafft. Ohne Förderung.

via: Velobiz
Bilder: s. Kennz.