Nach der Pleite des Schweizer Anbieters zeichnen sich für mehrere Fahrradparkanlagen Lösungen ab. In Mühlacker steht der Betreiberwechsel noch bevor, während andere Standorte ihren Betrieb bereits wieder aufgenommen haben.
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Die Insolvenz der Schweizer V-Locker AG hat die Betreiberstruktur mehrerer Fahrradparkanlagen in Deutschland infrage gestellt. Inzwischen gibt es für verschiedene Standorte neue Perspektiven: Frankenthal hat eine Lösung für Wartung und Kundenbetreuung gefunden, in Schwalmstadt-Treysa übernimmt ein anderes Unternehmen den Betrieb. Auch in Bonn sind die Fahrradparkhäuser nach einer zwischenzeitlichen Schließung wieder in Betrieb. In Mühlacker soll ebenfalls ein neuer Betreiber übernehmen.

Die Entwicklungen zeigen, dass die Anlagen trotz des Ausfalls ihres bisherigen Dienstleisters weitergeführt werden können. Ob damit auch ein dauerhaft verlässlicher Betrieb gesichert ist, muss sich allerdings erst zeigen.

Mühlacker bereitet Betreiberwechsel vor

Wie das Mühlacker Tagblatt berichtet, hat die Stadtverwaltung einen neuen Betreiber für das Fahrradparkhaus am Bahnhof gefunden. Das Unternehmen bereitet die Umstellung derzeit vor. Wann sie erfolgt, ist noch offen. Auch zum Wechsel der App, zur Information der bisherigen Nutzer und zu den künftigen Support-Kontakten will die Stadt erst informieren, wenn die Einzelheiten feststehen.

Nach dem Ausfall von V-Locker hatte das Amt für Grundstücks- und Gebäudemanagement den Betrieb vorläufig selbst übernommen. Dieser Notbetrieb ist allerdings eingeschränkt: Unterstützung bei Störungen gibt es nur während der erreichbaren Zeiten des Rathauses. Einen technischen Kundendienst rund um die Uhr kann die Stadt nicht anbieten.

Die Verwaltung bezeichnete ihre Lösung als Reaktion auf den unerwarteten Wegfall des bisherigen technischen Supports. Ohne diese Übergangslösung hätte die Anlage vollständig geschlossen werden müssen. Aktuelle Zahlen dazu, wie viele Menschen das Fahrradparkhaus seitdem nutzen, liegen der Stadt nicht vor.

Für die Nutzer ist der angekündigte Betreiberwechsel deshalb mehr als eine organisatorische Änderung. Erst wenn technische Betreuung, Buchung und Support zuverlässig funktionieren, lässt sich beurteilen, ob die Anlage im Alltag dauerhaft eine praktikable Abstellmöglichkeit bietet.

Unterschiedliche Lösungen an anderen Standorten

In Frankenthal ist der Weiterbetrieb des erst Ende Mai eröffneten Fahrrad-Parkturms nach Angaben der Stadt gegenüber dem SWR gesichert. Eine andere Schweizer Firma soll Wartung und Kundenbetreuung übernehmen. Für die Nutzer sind demnach ein neues Farbdesign und Logo der App sowie ein erneuter Download vorgesehen. Wie gut die Anlage ausgelastet ist, konnte die Stadt bislang nicht beziffern.

In Schwalmstadt-Treysa ist die Nachfolge bereits konkreter geregelt. Laut einem Bericht der HNA übernimmt dort die Locker Invest AG Betrieb und Wartung des Fahrradturms am Bahnhof. Das Unternehmen ist demnach auch Ansprechpartner bei technischen Problemen. Die Stadt hat zudem Vorkehrungen getroffen, um den Turm bei einem Ausfall notfalls öffnen zu können.

Ein Blick ins Schweizer Handelsregister liefert dazu einen wichtigen Hinweis: Die bisherige V-Locker Invest AG wurde im August 2026 in VeloGrid AG umbenannt. Der neu eingetragene Unternehmenszweck umfasst die Entwicklung einer offenen Betreiber- und IoT-Plattform für sichere Fahrradinfrastruktur, Zugang, Buchung und weitere Mobilitätsdienste. Ob die im HNA-Bericht genannte Locker Invest AG mit dieser Gesellschaft identisch ist und in welcher rechtlichen oder organisatorischen Form sie den Betrieb fortführt, lässt sich anhand der vorliegenden Angaben allerdings nicht abschließend bestätigen.

Auch in Bonn sind die Fahrradparkhäuser nach einer zwischenzeitlichen Schließung wieder in Betrieb. Die Stadtwerke Bonn wollen die weitere Entwicklung des Insolvenzverfahrens und den Betrieb der Anlagen beobachten. Wer einen Stellplatz im Voraus bezahlt hatte und ihn während der Schließung nicht nutzen konnte, soll das Geld für den betreffenden Zeitraum zurückerhalten. Weitere Probleme nach der Wiedereröffnung sind bislang nicht bekannt geworden.

Ob die für Mühlacker und Frankenthal angekündigten Betreiberlösungen mit der Übernahme in Schwalmstadt oder der Betreuung in Bonn zusammenhängen, ist anhand der vorliegenden Informationen nicht festzustellen. Eine einheitliche Nachfolgelösung für sämtliche Anlagen ist damit bislang nicht belegt.

Öffentliche Investitionen, offene Fragen zur Wirtschaftlichkeit

Unabhängig von der Insolvenz stehen die Fahrradparktürme wegen ihrer Kosten und ihrer tatsächlichen Nutzung in der Kritik. Das Projekt in Mühlacker schlug mit rund 1,3 Millionen Euro zu Buche. Die Finanzierung erfolgte über Fördermittel von Bund und Land sowie Sponsorengelder. Die Stadt musste nach eigenen Angaben keine eigenen Mittel für die Errichtung aufbringen. Dennoch handelt es sich zu einem wesentlichen Teil um öffentlich finanzierte Infrastruktur.

Der Bund der Steuerzahler griff den Turm im Oktober in seinem Schwarzbuch auf und bezeichnete ihn als „Fahrradturm de luxe“. Als Beispiel für die laufenden Kosten verwies der Verband auf Frankenthal: Dort stehen nach den vorliegenden Angaben jährlichen Betriebskosten von rund 35.000 Euro Einnahmen von etwa 5.000 Euro gegenüber. Diese Zahlen lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Standorte übertragen.

Auch die Bonner Fahrradparkhäuser wurden wegen ihrer Wirtschaftlichkeit kritisiert. Nach Angaben des WDR lag ihre durchschnittliche Auslastung zuletzt bei rund 30 Prozent, wobei sich die einzelnen Standorte deutlich unterschieden. Die vier Anlagen kosteten zusammen rund drei Millionen Euro und bieten Platz für 280 Fahrräder.

Neben den finanziellen Fragen gibt es praktische Einschränkungen. In Mühlacker passen nicht alle handelsüblichen Fahrräder und Pedelecs in die vorgesehenen Boxen. Vor allem breite Lenker können zum Hindernis werden. Ein sicherer Stellplatz ist für Radpendler nur dann eine echte Option, wenn das eigene Fahrrad überhaupt in die Anlage passt.

Weiterbetrieb ist noch kein Erfolgsnachweis

Für die betroffenen Städte ist es zunächst eine gute Nachricht, wenn die Anlagen nach dem Ausfall von V-Locker nicht dauerhaft schließen müssen. Die Betreiberwechsel können den technischen Support und die Buchungsmöglichkeiten wieder absichern. Über die langfristige Bilanz sagt das allein jedoch wenig aus.

Entscheidend bleibt, wie zuverlässig die Anlagen funktionieren, wie viele Stellplätze tatsächlich genutzt werden und ob die laufenden Kosten in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen stehen. Für Mühlacker steht zunächst die angekündigte Umstellung an. Erst danach wird sich zeigen, ob das Fahrradparkhaus am Bahnhof im Alltag die Erwartungen erfüllen kann.

Mit Informationen des Mühlacker Tagblatt, SWR, WDR, HNA, Bundesstadt Bonn / Stadtwerke Bonn und SHAB.