Deutsche Gesellschaften der Accell Group streben Sanierung unter Insolvenzschutz an – Ziel ist eine Investorenlösung für das Deutschlandgeschäft
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Die Accell Germany GmbH sowie ihre deutschen Tochtergesellschaften haben Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Betroffen sind neben der Konzernzentrale in Sennfeld auch die Fahrrad- und E-Bike-Hersteller Winora Staiger GmbH und Ghost-Bikes GmbH sowie der Fahrradteile- und Zubehörgroßhändler E. Wiener Bike Parts GmbH. Die entsprechenden Anträge wurden am 5. August 2026 beim Amtsgericht Schweinfurt eingereicht.

Nach Angaben des Unternehmens sollen alle Geschäftsbetriebe während der vorläufigen Eigenverwaltungsverfahren fortgeführt werden. Ziel ist eine Sanierung der deutschen Gesellschaften und eine Investorenlösung, bei der die deutschen Aktivitäten aus der internationalen Accell Group herausgelöst werden. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten sind über das Insolvenzgeld bis Ende Oktober 2026 gesichert.

Hintergrund der Entwicklung ist die anhaltende Krise der Fahrradbranche. Nach dem Ende des pandemiebedingten Fahrradbooms kämpft die Branche seit Jahren mit rückläufiger Nachfrage, hohen Lagerbeständen und erheblichem Preisdruck. Trotz umfangreicher finanzieller Restrukturierungsmaßnahmen in den Jahren 2024 und 2025 gelang der Accell Group nach eigenen Angaben keine nachhaltige Stabilisierung. Ein zuletzt laufender Verkaufsprozess für die gesamte Unternehmensgruppe sei letzendlich gescheitert.

In der Folge hat die internationale Accell Group in zahlreichen Ländern Insolvenzverfahren eingeleitet, darunter in den Niederlanden, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Ungarn.

Die Eigenverwaltung soll den deutschen Gesellschaften ermöglichen, sich unter gerichtlichem Schutz neu aufzustellen. Anders als in einem regulären Insolvenzverfahren bleibt die operative Verantwortung dabei bei der Geschäftsführung, die den Sanierungsprozess gemeinsam mit Restrukturierungsexperten steuert. Generalbevollmächtigter ist Rechtsanwalt Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger, unterstützt von seinen Partnern Dr. Hans Konrad Schenk und Markus Berger.

Geschäftsführer Joost van Schaik bezeichnete die Eigenverwaltung als wichtigen Schritt, um die deutschen Gesellschaften langfristig zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung zu schaffen. Auch die Sanierungsexperten sehen trotz der schwierigen Marktlage Chancen: Mit den Marken Winora, Haibike, Ghost und E. Wiener Bike Parts verfügten die Unternehmen über etablierte Marktpositionen und eine treue Kundenbasis. Entscheidend für den weiteren Verlauf seien nun die Entwicklung des Fahrradmarktes sowie die Gewinnung geeigneter Investoren.

Zum vorläufigen Sachwalter bestellte das Amtsgericht Schweinfurt Rechtsanwalt Dr. Stefan Debus von der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen. Er überwacht das Verfahren im Interesse der Gläubiger und sieht nach einer ersten Bestandsaufnahme gute Voraussetzungen, die Möglichkeiten des deutschen Insolvenzrechts für eine erfolgreiche Sanierung zu nutzen.