Der französische Fahrradhersteller will mit einem Sanierungsverfahren die eigene Zukunft sichern und sucht nach einem Investor für die Fortführung des Traditionsunternehmens.
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Die französische Fahrradmarke Cycles Lapierre hat beim Handelsgericht in Dijon die Eröffnung eines sogenannten redressement judiciaire beantragt. Der Schritt erfolgte am 5. August 2026 nach Information und Beratung des Sozial- und Wirtschaftsausschusses des Unternehmens. Nach Angaben von Cycles Lapierre handelt es sich dabei ausdrücklich nicht um einen Antrag auf Liquidation, sondern um ein gerichtliches Sanierungsverfahren.

Sollte das Gericht dem Antrag stattgeben, soll eine Beobachtungsphase dem Unternehmen Zeit geben, den laufenden Geschäftsbetrieb fortzuführen, den Sanierungsplan weiterzuentwickeln und einen Investor zu finden, der die langfristige Finanzierung sicherstellt. Die Anhörung ist derzeit für den 25. August 2026 angesetzt.

Traditionsunternehmen unter Druck durch Markteinbruch

Cycles Lapierre wurde 1946 in Dijon gegründet und beschäftigt heute 106 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 99,1 Millionen Euro und verfügt über ein Händlernetz mit mehr als 800 Vertriebspartnern.

Wie viele Unternehmen der Fahrradbranche wurde auch Lapierre nach dem Ende des Corona-bedingten Fahrradbooms von der Marktkorrektur getroffen. Rückläufige Absatzmengen, hohe Lagerbestände in der gesamten Branche, verstärkte Rabattaktionen und der daraus resultierende Druck auf die Margen belasteten die Geschäftsentwicklung. Zusätzlich entfiel die finanzielle Unterstützung durch die Accell Group, wodurch Lapierre die weitere Entwicklung eigenständig finanzieren muss.

In den vergangenen Jahren habe das Unternehmen bereits Maßnahmen zur Kostensenkung, organisatorischen Anpassung und Lagerbereinigung umgesetzt. Die Bestände an Fertigprodukten konnten zwischen Ende 2023 und Ende 2024 um rund 47 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig verringerte sich der operative Verlust zwischen 2024 und 2025 um 41 Prozent. Auch die ersten Monate des Jahres 2026 hätten laut Unternehmen eine Verbesserung der operativen Entwicklung gezeigt, insbesondere bei den Margen.

Diese Fortschritte reichen nach Angaben von Cycles Lapierre jedoch noch nicht aus, um die finanzielle Situation vollständig zu stabilisieren.

Suche nach Investor und Fortführung des Standorts Dijon

Parallel zum beantragten Sanierungsverfahren arbeitet Lapierre an einem Maßnahmenplan zur Fortsetzung des Geschäftsbetriebs und zur Rückkehr in die wirtschaftliche Eigenständigkeit. Die Suche nach einem industriellen oder finanziellen Investor wurde bereits gestartet.

Ziel sei ein Fortführungsplan, der dem Unternehmen wieder vollständige kommerzielle, operative und finanzielle Unabhängigkeit ermöglichen soll. Dabei setzt Lapierre auch auf Unterstützung aus der Region. Eingebunden werden unter anderem staatliche Stellen, die Region Bourgogne-Franche-Comté, Dijon Métropole, die Stadt Dijon sowie Banken, Kunden, Händler, Lieferanten und Logistikpartner.

Die regionale Unterstützung solle dabei keine private Investition ersetzen, sondern die Voraussetzungen für eine nachhaltige Lösung schaffen und Arbeitsplätze sowie das technische Know-how am Standort Dijon sichern.

Geschäftsführer William Perrier betont, dass der Antrag nicht als Aufgabe zu verstehen sei: Die Marke wolle sich die notwendige Zeit verschaffen, um einen Sanierungsplan abzuschließen, die Unabhängigkeit zurückzugewinnen und einen langfristig tragfähigen Investor zu finden.

Cycles Lapierre blickt auf 80 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Nun geht es für die Traditionsmarke darum, den Standort Dijon, möglichst viele Arbeitsplätze und die eigene Identität innerhalb der Fahrradbranche zu erhalten.

Quelle: PM Lapierre
Bild: Lapierre