Gutmütiges Fahrverhalten, hohe Tragfähigkeit und durchdachtes Zubehör machen das Modell der Traditionsmarke sehr attraktiv
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Das KETTLER Familiano L-N wurde bereits 2019 vorgestellt, wurde für 2021 aber nochmals überarbeitet und mit anderen Komponenten versehen. Besonders sticht hier der Bosch Cargo Line Antrieb heraus, der mit seiner speziell für den Lastentransport angepassten Software noch besser zum Anspruch des Transport-E-Bikes passt. Wie sich das neue Modell in unserem Test geschlagen hat, erfährt man in folgendem Bericht.

Kettler Alu-Rad Familiano L-N im Detail

Schon bei der Anlieferung merkte man beim Handling des Kartons: Das Kettler Alu-Rad Familiano L-N ist schwer! Das Herausheben des Modells aus der Transportverpackung stellte sich als Kraftakt dar, der bestenfalls von zwei Personen angegangen werden sollte. Ein Glück für die Kunden: Diese Aufgabe übernimmt normalerweise der Fahrradhändler. 😉

Kettler Alu-Rad Familiano L-N Test 2021

Kettler Alu-Rad Familiano L-N

Außerhalb des Kartons steht das E-Cargobike dann satt auf den Rädern! Dabei sieht man dem Rahmen gleich seine stabile Bauweise an, die durch die ebenso kräftig ausgeführte Starrgabel an der Front noch unterstrichen wird. Als Longtail-Lastenrad bringt das Modell einen ewig langen Gepäckträger mit, der die Aufnahme verschiedenster Zubehör-Komponenten ermöglicht, z.B. auch zwei Kindersitze gleichzeitig.

Der Antrieb aus der in 2019 vorgestellten Cargo Line-Serie von Bosch eBike Systems ist sauber am Rahmen angeflanscht und wird mit einer stabilen Abdeckung von unten geschützt. Zudem stellt eine offene Bauweise eine gute Belüftung sicher. Bedient wird das System per kompakter, leider aber schon etwas betagter Purion-Bedieneinheit, die nur die notwendigsten Funktionen bietet.

Bosch Cargo Line 25

Die Energieversorgung übernehmen bei unserem Testbike zwei PowerPack-Akkus mit jeweils 500 Wh (optionale Ausstattung), die unter dem Longtail-Gepäckträger ihren geschützten Platz finden und trotzdem leicht entnehmbar sind. Dank der insgesamt 1.000 Wh muss man normalerweise keine Angst haben, dass einem der Saft ausgeht. Die Ladebuchse befindet sich gut erreichbar gleich hinter dem Sattelrohr.

Kettler Alu-Rad kombiniert den Antrieb mit einer Enviolo SP-Nabe, die eine stufenlose Übersetzungsbandbreite von 380 % bereitstellt und manuell per Drehrad am rechten Lenkergriff bedient wird. Warum die Entwickler nicht gleich zur Cargo-Variante der Nabenschaltung gegriffen haben lässt sich nur vermuten. Wahrscheinlich wollte man die Bedieneinheit mit der Anzeigeeinheit nutzen, die es bei der Cargo-Variante nicht gibt.

Enviolo SP 380 Nabenschaltung

Bei den Bremsen ist man bei der Kombination aus Magura MT5 mit vier Kolben vorne und der Magura MT4 mit zwei Kolben hinten geblieben. Diese warten auch bei voller Beladung mit einer kräftigen Verzögerung auf und sollten mit ihrer Aufgabe kaum Mühe haben.

Das Modell rollt dabei auf stabilen Ryde Andra 40 Felgen, die mit breiten Schwalbe Super Moto-X Reifen bestückt sind. Diese sorgen dank ihres hohen Luftvolumens für einen grundlegenden Komfort, der allerdings eine Federgabel nicht ersetzen kann.

Hier muss noch der Sattel unterstützen, der von Selle Royal bezogen wird und mit einem dämpfenden Gel versehen ist. Die ergonomischen Griffe und der per variablem Vorbau verstellbare Lenker lassen jeden Nutzer eine komfortable Sitzposition finden.

Wird es einmal später, soll die LED-Lichtanlage von Fuxon für Abhilfe sorgen, die mit einem 70 Lux starkem Frontlicht und einem Mini-Rücklicht aufwartet. Stabile Schutzbleche aus der Cap-Serie von SKS halten Regen und Gischt vom Fahrer ab, der Chainglider sorgt seinerseits dafür, dass Hosenbeine sauber bleiben. Eine Klingel kann zudem für eine freie Strecke sorgen. 😉

Beim Beladen hilft der stabile Zweibeinständer, der die Montage von Zubehör oder ein Abstellen des E-Bikes zum sicheren Vergnügen machen soll. Hier kommt auch das hinter der Vorderradgabel montierte Schloss ins Spiel, welches das Familiano L-N kurzfristig gegen ein Wegrollen sichern soll.

Bei unserem Testmodell war noch eine im Schloss einsteckbare Kette dabei, die eine zusätzliche Sicherung an einem festen Gegenstand erlaubt. Dieses kann unter dem Sattel in einer speziellen Tasche untergebracht werden und kann so immer mitgenommen werden. Dies gilt auch für eine Trinkflasche, die per Fidlock-Adapter schnell angebracht werden kann.

Der Gepäckträger ist mit dem IRack 2 System ausgerüstet und bringt zudem das K-Link Rail System mit, beides in zweifacher Ausführung. So kann man beispielsweise den Quadriga Kindersitz und auch einen entsprechenden Carrier Basket aus dem Familiano-Zubehör gleichzeitig montieren. Ebenso steht noch ein Frontgepäckträger zur Auswahl, den wir aber nicht getestet haben.

Im Fahrtest

Aufgrund des mit 45 cm niedrigen Rahmens und des tiefen Durchstiegs gelingt der Aufstieg leicht, wobei wir uns auch hier über eine absenkbare und bestenfalls zusätzlich gefederte Sattelstütze gefreut hätten. Nichtsdestotrotz lässt sich dank verstellbaren Vorbau (Rastung per Inbus mit zwei Schrauben geklemmt) und Schnellspanner am Sattelrohr problemlos eine gute Einstellung finden.

Das Rangieren bei niedriger Geschwindigkeit bzw. beim Schieben wird durch den mittels Federkraft funktionierendem Lenkungsdämpfer etwas erschwert, da der Lenkeinschlag dadurch begrenzt wird. Allerdings erfüllt die Vorrichtung beim Fahren dann seinen Zweck und verhindert wirksam Flattern, welches bei einem so langem Gefährt durchaus einmal auftreten kann. Die Zuladung ist mit 180 Kilogramm sehr hoch, was die Nutzungsmöglichkeiten stark erweitert.

Der Cargo Line-Antrieb schiebt das E-Cargobike mit seinen 85 Newtonmetern problemlos an und lässt den Fahrer einfach auf die abgeregelten 25 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Dabei geht der Motor noch recht leise zu Werke, wohl auch weil er aufgrund seiner Montageposition kaum Resonanzen im Rahmen erzeugt.

Die gute Performance zeigt sich auch an längeren Anstiegen mit höherer Steigung, die ohne Mucken absolviert werden kann. Ein Antrieb eines anderen Herstellers mit nahezu gleichem Drehmoment, der ein E-Hardtail mit geringerem Gewicht antreiben musste, wurde aufgrund der Wärmeentwicklung zurückgeregelt und musste dadurch etwas zurückstecken.

Die Enviolo-Nabe harmonierte gut mit dem Cargo Line-Motor und stellte auch passende Übersetzungen für steile Anstiege bereit. Komfortabler könnte sich eventuell noch die Enviolo AUTOMATiQ-Nabe zeigen, die dem Fahrer dann die Schaltarbeit ersparen würde.

Dank der breiten 20-Zoll-Räder lässt sich das Kettler Alu-Rad Familiano L-N recht agil fahren, woran die Starrgabel an der Front auch ihren Anteil haben dürfte. Auf asphaltierten Wegen stellt sich der Komfort zudem ausreichend gut dar, lässt aber auf unbefestigten Wegen dann doch nach. Gut beherrschbar bleibt das Modell dennoch immer.

Auch im beladenen Zustand beispielsweise mit einem Kindersitz ändert sich das Fahrverhalten kaum und das Modell lässt sich weiterhin gut dirigieren. Aufpassen sollte man, wenn man das Modell mit Beladung auf einer abfallenden Straße oder einem unebenen Untergrund abstellt. Hier kann es trotz Zweibeinständer dann doch die Neigung zeigen, zu kippen.

Den Energievorrat ordnen wir mit der verbauten DualBattery-Konfiguration als mehr als ausreichend ein. Wer wenig fährt, dem könnte auch eine einzelne Batterie reichen. In unserem Testrad erschein uns eine Reichweite von 50 Kilometern als realistisch, bei nur einer Batterie könnte die Reichweite dann auf knappe 30 Kilometer schrumpfen.

Die Magura-Bremsen stellten sich auch auf längeren Bergab-Passagen als kräftig genug und auch resistent gegen frühes Fading dar, so dass man hier trotz voller Beladung auf der sicherten Seite sein sollte. Die griffigen Schwalbe-Reifen konnten die Bremskräfte zudem gut auf den Untergrund übertragen.

Bei einer Regenfahrt konnten wir zudem die Tauglichkeit der Schutzbleche ausprobieren, die sich als funktional erwiesen, nicht zuletzt auch dank der am hinteren Ende angebrachten Spritzlappen. Sowohl Fahrer, wie auch Passagier und Ladung wurden zumindest von diesem Aspekt her betrachtet nicht nass.

Die Montage der (z. T. zuvor aufgebauten) Zubehörteile wie Kindersitz oder Gepäckkorb erwies sich als denkbar einfach. Im ersten Fall musste nur das K-Link Rail-System in die entsprechende Aufnahme am Familiano L-N eingeführt und verriegelt werden. Ebenso konnte der Korb einfach in das IRack-System eingeschoben und gesichert werden. Die Demontage war dann genauso einfach möglich.

PRO
  • Stabiler Rahmen
  • Gute Verarbeitung
  • Starker, recht leise integrierter Antrieb
  • DualBattery mit 1.000 Wh
  • Gute Übersetzungsbandbreite
  • Kräftige Bremsen
  • hohes zulässiges Gesamtgewicht von 180 Kilogramm
  • Ergonomische Kontaktpunkte
  • Stabiler, langer Gepäckträger
  • Integriertes Rahmenschloss an der Vordergabel
  • Stabile Räder
  • Gute Schutzbleche von SKS
  • Stabiler Zweibeinständer
  • Platz für zwei Kindersitze plus Frontkorb
  • Fidlock-Flaschenhalter
CONTRA
  • Hohes Eigengewicht
  • Bosch Purion veraltet
  • Lenkungsdämpfer gewöhnungsbedürftig
  • Absenkbare Sattelstütze fehlt

Kettler Alu-Rad Familiano L-N

Kettler Alu-Rad Familiano L-N Test 2021

Kettler Alu-Rad Familiano L-N

Motor: Bosch Cargo Line 25, 250 W, 85 Nm
Batterie: Bosch PowerPack 500, (optional: DualBattery 1.000 Wh)
Display: Bosch Purion
Rahmen: Aluminium
Gabel: Aluminium, starr
Schaltung: Enviolo SP, stufenlos
Bremsen: Magura MT5/MT4, 180 mm v/h
Kurbelgarnitur: FSA CK-220
Vorbau: Kalloy Alu , adj.
Sattelstütze: Patentsattelstütze starr
Sattel: Selle Royal LookIn
Laufräder: RYDE Andra 40
Reifen: Schwalbe Super Moto-X
Gewicht: ca. 31 kg
zul. Gesamtgewicht: 180 kg
Preis: 4.999 EUR (500 Wh)

Transparenzhinweis: Das Kettler Alu-Rad Familiano L-N wurde uns seitens der KETTLER Alu-Rad GmbH für den Testzeitraum kostenlos und ohne Auflagen zur Verfügung gestellt. Auf das Testergebnis und unsere Meinung hatte dies keinen Einfluss.