Was sind die Treiber für den Erfolg von E-Bikes und Pedelecs?

Die zunehmende Technisierung öffnet auch bei Fahrrad, Pedelec und E-Bike neue Spielräume für innovative Produkte und Services auf allen möglichen Feldern: eine ganze Reihe von Innovationen zielt auf mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Apps, die ihren Ursprung in der ‚Gamification‘ haben, sollen mehr Spaß und Freude am Fahren vermitteln.

Das Geschäftsmodell von AirBnB wird in ersten Ansätzen auf Räder übertragen. Die Kommunikation und der spielerische Wettbewerb untereinander werden gefördert, wenn sich Gleichgesinnte in speziellen Netzwerken verlinken. Gerade weil es so viele Angebote gibt, stellt sich die Frage, was diese innovativen Produkte und Services bewirken? Lösen sie einen kurzfristigen Hype aus oder finden dadurch mehr Menschen nachhaltig Zugang zu Fahrrad, Pedelec und E-Bike?

Erfolgreiche Innovationen zeichnen sich grundsätzlich dadurch aus, dass sie ein Bedürfnis der Nutzer adressieren und Lösungen für ein bestehendes Problem anbieten, ob es den Nutzern schon bewusst ist oder noch nicht. Bei der Entwicklung von Innovationen sollte deshalb immer der zukünftige Nutzer im Mittelpunkt stehen, nicht allein das technisch Machbare. Ziel ist das Finden einer passenden Lösung, die im Ergebnis zu einer positiven Nutzererfahrung (User Experience) führt.

Dabei können wir das beste Beispiel für ‚erfolgreiche Innovation‘ anhand von Pedelecs und E-Bikes erklären. Diese unterstützte Art der Fortbewegung löst auf dem Weg zur Arbeit klare ‚Pain Points‘: während man mit ihnen gut voran kommt, steht man mit dem Auto im Stau, muss sich beim ÖPNV auf lange Taktzeiten und Verspätungen einstellen, ist das Fahrradfahren aufgrund von Topographie oder Streckenlänge wesentlich anstrengender.

Das Nutzererlebnis ist beim Rad mit E-Unterstützung überaus positiv und prägt sich darüber im Gedächtnis ein. Jeder, der selbst Pedelec oder E-Bike fährt, wird das mit einem breiten Grinsen bestätigen. Die Vorteile sind leicht nachvollziehbar, immer mehr Menschen lassen sich daher vom ‚Pedelec-Virus‘ infizieren. Wie kann nun diese positive Entwicklung auf digitale Innovationen für Pedelec und E-Bike übertragen werden? Mit welchen neuen Produkten und Services können die positiven Nutzungserfahrungen weiter verstärkt werden? Dazu haben über 1.000 Leserinnen und Leser von Pedelecs & E-Bikes ihr Voting abgegeben.

Hier die attraktivsten Top 3 Innovationen:

1. Mehr Sicherheit für das Elektrorad und ein entspannteres Fahrerlebnis

Elektronischer Diebstahlschutz mit Ortungsmöglichkeit des Rades ist die attraktivste Lösung von allen. Durch die Ortungsmöglichkeit entsteht ein positives Gefühl von Kontrolle. Mehr als bei einem analogen Schloss vertraut man auf die präventive Abschreckung durch die digitale Transparenz. Ein elektronischer Diebstahlschutz mit Ortungsmöglichkeit löst damit klar ein Problem der Nutzer.

Auch attraktiv ist die Möglichkeit, die Reichweite des Akkus in Abhängigkeit der topografischen Gegebenheiten der eingegebenen Route angezeigt zu bekommen. Auch hier wird ein Problem der Nutzer adressiert: die Sorge, die gewünschte Strecke nicht mit der verbleibenden Akkuladung zu schaffen

Die Navigationsoption ‚sicherste Route‚ überzeugt besonders Berufspendler und Pedelec- / E-Bike-Neulinge. Hier wird ein wichtiger ‚Pain Point‘ aufgelöst, die Angst vor unliebsamen und gefährlichen Begegnungen mit dem Autoverkehr. Darüber hinaus erhöht die Aussicht, sicher durch (Stadt-) Verkehr zu navigiert zu werden und abwechslungsreiche Strecken kennen zu lernen, die Fahrfreude.

2. Moderne (Assistenz-) Systeme mit klaren Vorteilen für die Nutzer

Signalgeber wie an motorisierten Zweirädern üblich sind auch für Pedelecs und E-Bikes wichtig und nützlich: ein Bremslicht oder die Möglichkeit, Spurwechsel oder Abbiegen per Licht oder Signal an andere Fahrzeuge anzuzeigen, ist überaus sinnvoll, um sicher und souverän durch den Verkehr zu kommen. Neue Ideen wie die Projektion eines Lichtstrahls vor- und hinter ihrem Rad sorgen für mehr Aufmerksamkeit durch bessere Sichtbarkeit. Alle drei Innovationen adressieren die Sorge, von anderen Verkehrsteilnehmern zu spät erkannt oder wie ein (langsameres) Fahrrad ohne Antrieb eingeschätzt zu werden und bieten damit den Nutzern klare Vorteile.ABS erhöht das subjektive Sicherheitsgefühl beim Fahren – die objektiven Vorteile der Technik sind von Auto und Motorrad bekannt und geschätzt.

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ABS und eine automatische Notruffunktion nach einem Sturz werten Pedelecs und E-Bikes zu ‚echten‘ Fahrzeugen auf. Bei beiden Features können Nutzer den Mehrwert klar erkennen.

Eine Innovation, die das eigene Sicherheitsgefühl verstärkt, weil sie die Möglichkeit bietet, aktiv und eigenverantwortlich im Verkehrsgeschehen zu agieren, ist die Lenkervibration. Diese informiert den Zweirad-Fahrer über Fahrzeuge, die sich von hinten nähern. Diese Innovation adressiert die Sorge, dem Verkehrsgeschehen ausgeliefert zu sein und spricht besonders die unsicheren Radfahrer an.ABS, Notruffunktion und Lenkervibration sind Innovationen, um Unsicherheiten beim Radfahren ausräumen – und die das Potenzial haben, den Umstieg vom ’sicheren Kokon‘ eines Autos auf ein Pedelec oder E-Bike zu erleichtern.

3. Die positive Erfahrung soll nicht beim Produkt aufhören

Bei der Betrachtung des heutigen Pedelec- und E-Bike-Marktes fällt auf: die ‚traditionelle‘ Zielgruppe der 60+ Käufer ‚tickt‘ anders als diejenigen, die vor 15 Jahren ein Elektrofahrrad angeschafft haben. Sie sind physisch und psychisch jünger, agiler und fitter. Der Ankerpunkt für ihre Ansprüche an Design, Qualität, Performance und Service kommt von ihrer Autoerfahrung – insofern überrascht es nicht, dass Beratung im Verkauf sowie Service im After Sales von ihnen an den Erfahrungen gemessen werden, die sie bisher in der Autobranche gemacht haben.

Dies wiederum erklärt das große Interesse an der Digitalisierung von Wartung und Service: Automatische Meldung von Servicebedarf an den Nutzer sowie die Echtzeit Meldung von benötigten Verschleißteilen an die Werkstatt vermeiden Warte- und Ausfallzeiten und werden bei Pedelecs und E-Bikes im hochpreisigen Segment erwartet – oder wenn die Bikes als Dienstfahrzeug und zum Pendeln genutzt werden.

Welche Innovationen überzeugen die Nutzer noch?

Der Pedelec- und E-Bike-Markt hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt und die Auswahl an unterschiedlichen Modellen weckt immer breiteres Interesse. Inzwischen begeistert sich auch zunehmend jüngere, sportliche Menschen für Räder mit E-Antrieb: sie sehen hier in erster Linie coole Sportgeräte und smarte Fortbewegungsmittel, gerade in der Großstadt.

Wichtig zu wissen: für diese Zielgruppe sind Produkte immer auch Teil ihres Lebensgefühls und ihrer (digitalen) Selbstdarstellung. Außerdem hat diese Zielgruppe eine hohe Affinität zu digitalen Services, die sie schon in anderen Bereichen ihres Lebens intensiv nutzen. Vorausgesetzt, sie bieten einen echten Mehrwert, sonst werden sie schnell zu ‚Ruinen‘ und damit bedeutungslos. Ihre Erwartungen an Design und Usability leiten die jungen Digitalen dabei von den Erfahrungen mit Tools und Gadgets ab, die ihnen heute schon gute Dienste leisten. Ideal ist eine naht- und problemlose Integration des Neuen.

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Interessante Beispiele, die in der Zielgruppe der ‚Digital Natives‘ gut funktionieren: Apps, die spannende Challenges ermöglichen oder Gleichgesinnte verlinken, treffen den Kommunikationsstil und das Lebensgefühl dieser Zielgruppen. Sharing Angebote z.B. privater Bikes können sich nahtlos in das Mobilitätsverhalten dieser Zielgruppe einfügen, weil sie ihren Erwartungen an smarte und multimodale Mobilität entsprechen.

Aber auch diejenigen, die nicht als ‚Digital Natives‘ geboren sind, sind offen für innovative digitale Kommunikationsangebote, wenn diese ihr positives Fahrerlebnis mit dem Pedelec und E-Bike verstärken oder sinnvoll ergänzen.

Wo liegt die Innovationskraft für smarte, innovative Produkte und Services?

Den meisten Playern der E-Bike-Branche – Hersteller kompletter Bikes ebenso wie Hersteller von Antrieben und Akku – wird eine hohe Innovationskompetenz zugeschrieben. Nachvollziehbar auf der Basis dessen, was diese Branche in den letzten Jahren entwickelt hat. Aber auch Quereinsteiger ohne primäre Fahrradkompetenz, wie App-Entwickler und Softwareanbieter, gelten als überaus kompetent für digitale Innovationen im Zweiradmarkt. Dagegen wird klassischen Fahrradherstellern oder Fahrradverbänden auf diesem Gebiet eher wenig zugetraut.

Ausblick: Pedelecs, E-Bikes und weitere innovative Fahrzeugkonzepte mit E-Antrieb werden zunehmend zu interessanten Alternativen gerade im Pendler-Verkehr werden. Digitale Produkt- und Service-Innovationen, die die Zweiräder in den Gesamtverkehr einbinden, werden zunehmend wichtig für objektive und subjektive Sicherheit, für mehr Komfort und für mehr Fahrspaß.

Aber digitale Produkt- und Service-Innovationen werden nur dann erfolgreich, wenn sie den Nutzern wirklich sinnvolle Lösungen anbieten und eine einfache, intuitive User Experience gewährleisten. Das ist möglich, wenn zukünftige Nutzer bereits bei der Entwicklung mit einbezogen werden – insbesondere diejenigen, die vom Auto auf das Pedelec / E-Bike oder innovative Fahrzeugkonzepte umsteigen.

Weitere Infos unter www.newmobilityexperts.com und  https://ju-know.com/.

Wir bedanken uns bei der Redaktion von Pedelecs & E-Bikes für die Unterstützung bei der Durchführung der Leserbefragung – und bei den Lesern für Ihre Teilnahme!

Dies war ein Gastbeitrag von Ursula Kloé von der New Mobility Experts GmbH. Mehr Informationen finden Sie auf der zugehörigen Webseite und auch direkt per Telefon unter +49 6221 892 656.

Bilder: s. Kennz.