London ist ein tolles Beispiel für eine verbesserte Radkultur.
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Die Städte bersten vor Auto- und LKW-Verkehr, da helfen auch keine Umweltzonen oder Ähnliches; hinzu kommt noch die stetig steigende Luftverschmutzung.

Die Alternative zu den gängigen Transportmitteln stellen Fahrräder und seit einigen Jahren die Elektroräder dar, die einen emissionsfreien Individualverkehr nicht nur in Städten bieten.

Doch auch die Radfahrer brauchen Raum, auf dem sie sicher und von Autos unbedrängt fahren können — hierzulande hat die Politik das Problem meist schon erkannt und baut neue Radwege bzw. baut vorhandene aus.

Dem Bürgermeister von London, Boris Johnson, genügt das aber nicht: Er will noch in diesem Jahr sogenannte „Cycle Superhighways“ errichten, die die Stadt von Osten nach Westen und von Norden nach Süden durchqueren sollen und die schon nutzbaren Barclay Super Highways ergänzen.

Der passionierte Radfahrer stellt dazu mittels eines extra aufgelegtem Förderprogramms eine Milliarde Pfund (1,33 Mrd. Euro) zur Verfügung, so dass die umfangreichen Maßnahmen so schnell wie möglich durchgeführt werden können.

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Der Bau des insgesamt 18 Kilometer umfassenden Superhighway kann, insofern keine Klagen eingereicht werden, schon ab März begonnen werden. So könnte er wahrscheinlich noch dieses Jahr von den Londoner Bürgern genutzt werden.

Superhighway für Pedelecs und Fahrräder

Immer weniger Menschen zieht es hinaus zum Reihenhäuschen im Grünen – im Gegenteil – es wollen viele Leute wieder in die Städte, um dort am „Puls der Zeit“ zu leben. Die Auswirkungen sind bereits spürbar. Laut einer Prognose des Transport of London soll der Verkehr auf Londons Straßen bis 2031 um bis zu 60 Prozent zunehmen. Der totale Verkehrsinfarkt wäre programmiert!

Ein weiteres wichtiges Kriterium stellt die dabei entstehende Luftverschmutzung und der Smog dar, welcher der wachsenden Bevölkerung die Lust am Leben in der Stadt wieder vergraulen dürfte. Hier muss London handeln und macht es auch.

Die geplanten Superhighways bieten den Einwohnern eine gesunde, geldsparende und attraktive Alternative zum täglichen Stau, ob sich dieser nun auf der Straße auftritt oder in der verstopften Londoner U-Bahn.

Hier kommt auch das steigende Umweltbewusstsein der Bevölkerung ins Spiel, die für sich selbst die Vorteile des Fahrradfahrens entdecken. Mit dem Pedelec oder Fahrrad sind die täglichen Strecken meist schneller und stressfreier zurückzulegen als mit den konventionellen Verkehrsmitteln.

Weitere Vorteile wie die Bewegung an der frischen Luft, das regelmäßige Training des Körpers und die positive Wirkung auf den Geist kommen noch hinzu. Und die Verbesserungen in der Lebensqualität gelten für alle Bewohner Londons — nicht nur für die, die aufs Fahrrad umgestiegen sind.

Die Superhighways sollen entlang der bisherigen Straßen errichtet werden. Dabei werden die verfügbaren Spuren für Autos verringert und den Radfahrern zugesprochen. Die Radfahrer sollen dabei meist durch einen Mittelstreifen, der für Fußgänger gedacht ist, von den Autos räumlich getrennt werden.

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Boris Johnson erhofft sich von den Maßnahmen ähnliche Effekte, wie sie damals von der Congestion Charge erreicht wurde und eine Reduzierung des innerstädtischen Autoverkehrs um 70.000 Einheiten bewirkte.

Befürchtungen der lokalen Händler, die längere Staus und einen höheren Zeitaufwand für den Transport von Waren durch Lieferwagen innerhalb der City befürchten, werden von Experten zerstreut. In der Übergangsphase könnte schon es zu kurzfristigen Engpässen kommen. Allerdings gebe sich das wieder, umso mehr Leute vom Auto auf das Fahrrad umsteigen. Dann sei der Platz für Taxis und Lieferwagen wieder vorhanden.

London möchte Vorbild für andere Städte sein

London möchte zu einer der lebenswertesten Städte weltweit werden und die Ausrichtung auf umweltfreundliche Transportmittel ist ein sehr wichtiger Schritt auf diesem Weg. Bürgermeister Boris Johnson, der nur New York und Tokio als vergleichbar mit London ansieht, sieht sich hier klar im Vorteil, da keine der beiden anderen Städte Anstalten macht, es London gleich zu tun oder gar zu überflügeln.

Dafür nehmen sich kleinere Städte an Großbritanniens Metropole ein Vorbild und kündigen ähnliche Projekte an, wenn auch in geringerem Ausmaß. Kopenhagen, noch die Fahrrad-City Nr. 1 in Europa, hat zuletzt angekündigt, bis 2050 vollkommen klimaneutral zu sein. Das Fahrrad bzw. Pedelec ist hierbei ein wichtiges Hilfsmittel.

via: Welt
Bilder & Video: Transport for London