Die Energieversorgung per Brennstoffzelle beim Pedelec kann eine gute Alternative zu den aktuellen E-Bikes mit der bewährten Stromversorgung per Akku sein.
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Immer wieder geistern Berichte über kommende bzw. demnächst verfügbare E-Bikes, die mittels Wasserstoff bzw. Brennstoffzelle mit Energie versorgt werden, durch die Medien.

So auch in der letzten Woche, als zum einen das Pragma Alpha als demnächst verfügbar angekündigt und zum anderen, als das ebenfalls serienreife Linde-H2-Bike überraschend der Weltöffentlichkeit vorgestellt wurde.

Doch wie kommt es aktuell zu einer so Häufung der News-Meldungen in Sachen Wasserstoffmobilität?

Gründung der H2 Mobility Deutschland GmbH & Co. KG

Ein Anlass dürfte die Gründung der H2 Mobility Deutschland GmbH & Co. KG, die am 13. Oktober 2015 in Berlin stattgefunden hatte. Es ist ein branchenübergreifendes Gemeinschaftsunternehmen hinter dem die Firmen Air Liquide, Daimler, Linde, OMV, Shell und Total stecken.

Als Ziel wurde die Entwicklung einer flächendeckenden Infrastruktur für die Wasserstoffmobilität in Deutschland ausgegeben, wobei es bis zum Jahr 2023 rund 400 Wasserstoff-Tankstellen geben soll. Diese sollen mit Bezahlsystem und H2-Sourcing ausgerüstet sein, wobei der Wasserstoff möglichst aus regenerativen Quellen geschöpft werden soll.

In der ersten Phase des Projektes, die schon jetzt angelaufen ist, ist der zügige Ausbau auf 100 Wasserstoffstationen vorgesehen. Dabei sollen in den sechs deutschen Ballungszentren Hamburg, Berlin, Rhein-Ruhr, Frankfurt, Stuttgart und München jeweils zehn Stationen aufgebaut werden. Die restlichen an sogenannten Wasserstoff-Korridoren entlang der Autobahnen.

Der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt, sagte bei der Auftaktveranstaltung:

Elektromobilität muss emotional sein und Leidenschaft wecken für den Antrieb der Zukunft. Elektrofahrzeuge mit Wasserstoff-Brennstoffzellen bieten dafür die besten Voraussetzungen: Sie besitzen eine große Reichweite und können innerhalb weniger Minuten auftanken. Für den Markthochlauf dieser Technologie brauchen wir nun ein flächendeckendes Tankstellennetz für Wasserstoff. Daher begrüße ich die Pläne von H2 MOBILITY, bis 2023 in ganz Deutschland 400 Wasserstoff-Tankstellen zu errichten.Alexander Dobrindt

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Mit einem flächendeckenden Netz von 400 H2-Tankstellen wäre Deutschland in 2023 Vorreiter hinsichtlich einer Wasserstoff-Infrastruktur und könnte so auch anderen Ländern einen Ansporn geben, ebenfalls ein solches Netzwerk aufzubauen. Dafür ist das Gemeinschaftsunternehmen auch Teil des kürzlich gegründeten „Hydrogen Mobility Europe“-Netzwerks.

Aktuell serienreife Wasserstoff E-Bikes

Ein weiterer Grund ist die Serienreife zweier Wasserstoff E-Bikes, deren Vorstellung ebenfalls im gleichen Zeitraum erfolgte. Ob das nun so geplant war, oder nicht, sei einmal dahingestellt. Hierbei handelt es sich zum ersten um das Alpha von der französischen Pragma Industries, welche eine Weiterentwicklung des hier ebenfalls schon vorgestellten Prototypen Gitane Alter Bike heraus entstand. Es soll 2016 zu einem marktfähigen Preis von 2.300 EUR verfügbar sein.

Alpha E-Bike: Bild: Pragma Industries

Alpha E-Bike: Bild: Pragma Industries

Das Linde-H2-Bike ist auf einem Standard-Pedelec mit dem aktuellen Bosch-Antrieb aufgebaut und ergänzt dessen Akkutechnik durch die moderne und zukunftsweisende Wasserstofftechnologie. Wann das E-Bike allerdings am Markt zu haben ist und zu welchem Preis, ist leider noch nicht bekannt.

Linde-H2-Bike; Bild: The Linde Group

Linde-H2-Bike; Bild: The Linde Group

Keine neue Technik

Die Technik, welche hier zur Anwendung kommt, ist keineswegs neu. Die Brennstoffzelle wird schon lange als die Schlüsseltechnologie erachtet, welche die konventionelle Antriebstechnologie bzw. Energieversorgung ablösen soll. Und das nicht nur im Bereich der Mobilität.

Mantis Studie; Bild: Tobias Pela

Schon seit 1994 stellt Daimler Versuche an, die Brennstoffzellen-Technologie zur Nutzung in PKW zur Serienreife zu entwickeln. Mehrere Konzeptfahrzeuge haben inzwischen dabei geholfen, die dafür benötigte Technik immer weiter zu verkleinern. Allerdings ist diese für einen Durchbruch am Markt bisher immer noch zu teuer.

Auch im Fahrradbereich gab es schon mehrfach Versuche, diese Technologie zum Antrieb desselben zu nutzen. So gab es schon einmal ein Wasserstoff E-Bike namens Mantis, welches als Studie bereits 1999 in Modena vorgestellt wurde. Dahinter steckten mit Craftsman die Entwickler der Hawk E-Bikes in Berlin.

Das Mantis stammte aus der Feder von Tobias Pela, heute freier Entwickler und Konstrukteur in Berlin, der das zukunftsweisende E-Bike damals entwickelt und sich dabei hinsichtlich Technik und Konstruktion unter anderem von der Natur inspirieren lassen hat.

Gernweit PED-HY-LEC

Gernweit PED-HY-LEC

Es blieb bei der Studie, genauso wie ein anderes Projekt aus Deutschland, das Gernweit PED-HY-LEC, welches seit Jahren nicht über den Prototypen-Status nicht herauskommt.

Laut Aussage des Herstellers sollte dieses bereits 2014 in Serie auf den Markt kommen. Bisher ist in dieser Richtung allerdings nichts passiert und auch die kommunizierten Neuigkeiten hinsichtlich dieses Produktes haben sich gegen Null reduziert. Das spricht dafür, dass das Projekt wohl stillgelegt oder gar eingestellt wurde.

Haben Wasserstoff E-Bikes überhaupt eine Chance?

Die Begeisterung ist meistens groß, wenn solch ein Produkt, das nahezu unbegrenzte Reichweite verspricht, auf den Markt kommen soll bzw. kommt. Verspricht es doch eine Nutzung ähnlich den konventionellen Verkehrsmitteln, deren unbestreitbarer Vorteil das schnelle Auftanken und die flächendeckende Verfügbarkeit des Treibstoffes ist.

Allerdings hat Wasserstoff einen entscheidenden Nachteil: es ist hochexplosiv. Auch wenn man das Handling mit dem Gas mittlerweile um Einiges besser im Griff hat wie noch vor Jahren oder Jahrzehnten: In den Köpfen der meisten Leute ist das noch nicht angekommen und daher spielt die Angst vor der gefährlichen Verbindung doch eine große Rolle.

Wer in der Schulzeit oder auch später schon einmal mit Knallgas, was nichts anders ist eine explosionsfähige Verbindung von Wasserstoff und Sauerstoff, experimentiert hat, weiß mit welcher Wucht eine Detonation erfolgen kann und welche Zerstörung dabei angerichtet werden kann.

Wasserstoff E-Bike; Bild: The Linde Group

Wasserstoff E-Bike; Bild: The Linde Group

Vor diesem Hintergrund erscheint es durchaus fraglich, ob sich das Wasserstoff E-Bike verbreitet durchsetzen kann. Und das, auch wenn bis zum Jahre 2023 ein flächendeckendes Netz an Wasserstoff-Tankstellen zur Verfügung stehen soll.

Ein weiterer Hemmschuh könnten zudem die enormen Investitionen sein, die einerseits für den Aufbau einer Infrastruktur und andererseits für die Entwicklung, Produktion und Herstellung der Technik in entsprechenden Fahrzeugen zu stemmen sind.

Es bleibt daher abzuwarten, wohin die Reise geht und ob sich die zukunftsweisende Technik durchsetzen kann. Andererseits könnten auch neue Entwicklungen wie neue Batterietechnologien oder neue Schnellader sich als Gegenpart dazu aufstellen.

Weiterführende Informationen:

Video: e-Motion